(2) Willersdorfer Schlucht – Aschauer Au

Willersdorf-Schlucht

Wiesenflächen Willersdorfer Schlucht

Lage

Bez. Oberwart; KG Oberschützen und Wiesfleck. Von Willersdorf (ca. 400 msm) bis zum Dreiländereck (501 msm), Flanken beiderseits des Willersbaches steigen bis 640 m an.

 

Wegroute

Willersdorf ist ein Ortsteil der Großgemeinde Oberschützen. In Willersdorf fährt man bis in die Ortsmitte, wo es im Bereich des Angers und der alten Turmschule Parkmöglichkeiten gibt. Am Parkplatz weist eine Informationstafel auf die Erlebnisregion Willersdorfer Schlucht – Aschauer Au hin.

Vom Parkplatz geht man entlang des Willersbaches stets Richtung Norden, bis sich das Engtal weitet. Weiter Richtung Norden kommt man zur Valtlmühle und anschließend zum Dreiländereck Burgenland/Steiermark/Niederösterreich und weiter nach Loipersdorf (südwestl. Hochneukirchen, Niederösterreich). Zweigt man Richtung Osten ab, gelangt man nach Aschau, ebenfalls einem Ortsteil der Großgemeinde Oberschützen.

● Von Willersdorf zur Valtlmühle sind es ca. 4 km und dann nochmals mehr als 2 km bis zum Dreiländereck. Will man darüber hinaus die Strecke bis nach Loipersdorf bewältigen, sind es nochmals ca. 1,5 km.

● Wählt man den Weg von Willersdorf über die Krumpau, wo sich das Tal weitet und der Krumpaubach in den Willersbach mündet, nach Aschau, sind es ca. 5 km.

● Geht man die Strecke von Willersdorf Richtung Valtlmühle, und wählt man etwa 1 km nach der Valtlmühle den steilen Anstieg nach einer Rechtskurve, gelangt man nach Schmiedrait, ebenfalls zu Oberschützen gehörig. Dieser Weg ist ca. 7,5 km lang.

Wanderroute Willersdorfer Schlucht_ÖK

Wanderroute Willersdorfer Schlucht

 

Allgemeine Beschreibung

Das Gebiet nimmt seinen Anfang in Willersdorf und reicht in nördlicher Richtung bis zum Dreiländereck, der Grenze zwischen den Bundesländern Niederösterreich, Steiermark und Burgenland. Etwa auf halber Strecke zweigt ein Seitental nach Aschau ab. An der nordöstlichen Flanke schließt unmittelbar das Bernsteiner Gebirge an. Das Areal wird von Niederösterreich kommend in seiner gesamten Länge vom Willersbach durchflossen, dem noch bis Oberschützen seine Ursprünglichkeit bewahrt blieb. Klimatisch wird der gesamte Bereich vom Wechsel beeinflusst.

Die Willersdorfer Schlucht stellt in biologischer und in geologisch-geografischer Hinsicht eine Besonderheit dar. Als Ausläufer des Wechselmassivs hat sie Anteil am Zentralalpengebiet Österreichs, was sich auch am Vorkommen montaner und alpiner Flora- und Faunaelemente manifestiert.

Ein Großteil des Gebietes ist mit Wald bestanden, wobei insbesondere die Flanken mit Mischwald, bestehend aus Hainbuchen, Eschen und Berg-Ahorn hervorzuheben sind. Stellenweise kann die Rotbuche, vereinzelt auch die Berg-Ulme / Ulmus glabra und sogar die Grün-Erle / Alnus alnobetula beobachtet werden. Die Vegetation typischer Schluchtwälder mit sehr schönen Erlenbeständen (Alnus glutinosa) am Talgrund weist auf eine hohe Luftfeuchtigkeit und gute Wasserversorgung hin.

Besonders interessant ist der Talboden mit seinen verschieden ausgeprägten Talwiesen (Feucht-, Nass- und auch Magerwiesenflächen), die einer großen Vielfalt an Pflanzen und Tieren wichtige Lebensräume bieten.

 

Charakteristische Habitate und Vegetation

Entlang des Baches sind schöne Pestwurz-Fluren ausgebildet (Petasites hybridus), teilweise mit Ross-Minze / Mentha longifolia.  Die meisten Talwiesen im Gebiet sind recht einheitlich, manche zeigen allerdings durch unterschiedliche Nutzungen Bereiche, die intensiver bewirtschaftetet werden, und Flächen, die  bis zu Magerwiesen reichen. Im Einzelnen kann man aufgrund der Bewirtschaftung und des daraus folgenden Artenspektrums unterschiedliche Wiesentypen antreffen. Fuchsschwanz-Frischwiesen sind besonders in Bachnähe zu finden und werden auch durch die hohe Beschattung, bedingt durch die steil aufragenden Flanken, gefördert. Wiesen-Fuchsschwanz / Alopecurus pratensis und Kuckucks-Lichtnelke / Lychnis flos-cuculi kommen als dominante Arten vor. In etwas trockeneren Lagen mit weniger Nährstoffgehalt zeigen sich verstärkt Wollig-Honiggras / Holcus lanatus und Ruchgras / Anthoxanthum odoratum und als Besonderheit im Frühjahr massenhaft der Alpen-Krokus / Crocus albiflorus. Auf Kuppen und Steillagen befinden sich naturgemäß die trockensten Bereiche, wo sich teilweise schöne Ferkelkraut-Furchenschwingel-Magerrasenflächen entwickeln konnten. Typische Magerkeitszeiger wie Klein-Habichtskraut / Pilosella officinarum und Furchen-Schwingel / Festuca rupicola findet man auf diesen Magerstandorten.

Bedingt durch die relativ große Höhendifferenz der steil aufragenden Flanken trifft man anteilig in diesem Gebiet von der collinen Stufe mit Eiche und Hainbuche über die submontane Stufe mit hohem Rotbuchenanteil bis zur montanen Stufe mit Berg-Ulme / Ulmus glabra, EberescheSorbus aucuparia und Grün-Erle / Alnus alnobetula ein breites Spektrum an Baumarten. Entlang des Willersbaches kann man an einigen Stellen schöne Auwaldreste mit Grau– und Schwarz-Erle / Alnus incana, A. glutinosa sehen, die im Frühjahr einen bunten Mix unterschiedlicher Frühlingsgeophyten zeigen.

 

Pflanzen- und Tierarten

Die Auwaldreste beherbergen im Frühjahr viele Frühblüher wie

Wald-Gelbstern / Gagea lutea,

Finger-Lerchensporn / Corydalis solida,

Busch-Windröschen / Anemone nemorosa,

Echt-Lungenkraut / Pulmonaria officinalis

und an manchen Stellen Massenvorkommen der

Sumpfdotterblume / Caltha palustris.

 

Die Wiesen sind übersät mit

Alpen-Krokus / Crocus albiflorus

und bachbegleitend findet man ein reiches Vorkommen des

Ausdauernden Silberblattes / Lunaria rediviva

und vereinzelt und in Gruppen die

Frühlingsknotenblume / Leucojum vernum.

 

Auf mageren Standorten kann man u.a. die

Heide-Nelke / Dianthus deltoides

und mit viel Glück

Klein-Hundswurz (Klein-Knabenkraut) / Anacamptis morio entdecken.

Auf den feuchteren Stellen sieht man hin und wieder das

Breitblatt-Knabenkraut / Dactylorhiza majalis.

 

Als Besonderheiten können der

Straußenfarn / Matteuccia struthiopteris an einigen Stellen entlang des Baches und die

Österreich-Gamswurz / Doronicum austriacum angesehen werden.

 

Die Tierwelt ist ebenfalls mit einigen bemerkenswerten Arten im Gebiet vertreten. Regelmäßig horstet der

● Schwarz-Storch / Ciconia nigra in der Gegend.

 

An Schmetterlingen findet man u. a.

● Schwarzer Apollo / Parnassius mnemosyne,

● Aurorafalter / Anthocharis cardamines und

● Großer Schillerfalter / Apatura iris als interessante Vertreter.

 

Eine Besonderheit ist das Vorkommen des

● Berg-Sandlaufkäfers / Cicindela silvicola.