(9) Serpentingebiet um Redlschlag und Bernstein (Wenzelanger–Steinstückl–Ochsenriegel)

Landschaftsschutzgebiet und Natura-2000-Gebiet Bernstein–Lockenhaus–Rechnitz und Naturpark Geschriebenstein / Írottkő

 

LSG-Bernstein-Wenzelanger

Frühjahrsaspekt am Wenzelanger

Lage

Bez. Oberwart; KG Bernstein; Wenzelanger (820 bis 830 msm), Steinstückl (ca. 830 msm) unmittelbar rechtsseitig der Abzweigung nach Redlschlag, und Ochsenriegel (ca. 780 msm) am Ostende von Redlschlag.

 

Wegroute Steinstückl–Wenzelanger

Von Bernstein kommend liegen die beiden Hügelkuppen rechtsseitig der Straße. Man fährt bis zur Abzweigung nach Redlschlag, wo es in unmittelbarer Nähe eine Parkmöglichkeit gibt.

Von dort geht man ein kleines Stück Richtung Redlschlag und biegt unmittelbar danach in einen Waldweg rechts ab. Stets sich rechts haltend geht man den Waldweg entlang, bis ein steiler Anstieg kommt. Am Ende des Anstieges teilt sich der Weg in drei Richtungen. Ein markierter, schmaler Pfad führt nach rechts zum Steinstückl, und ein Weg geht links steil bergan Richtung Wenzelanger. Den Weg geradeaus nicht wählen.

 

Wegroute Ochsenriegel

Wie man von der Ortschaft Redlschlag auf die freie Kuppe beim höchsten Punkt kommt, ist dem Kartenausscnitt zu entnehmen. Dieser Gipfelbereich bietet nicht nur einen schönen Ausblick, sondern reiche „Botanik“.

Wanderroute Wenzelanger-Steinstückl-Ochsenriegel_ÖK

Wanderroute Wenzelanger-Steinstückl

 

Allgemeine Beschreibung

Bei allen drei Lebensräumen handelt es sich um vegetationsarme Hügelkuppen, die von einem locker bestandenen Wald umgeben sind. Durch ihre Lage als relativ hochgelegene Wärmeinsel und vor allem aber bedingt durch Serpentinit als Ausgangsgestein konnte sich eine interessante Pflanzenwelt entwickeln und eine reiche Heuschrecken- und Schmetterlingsfauna etablieren. Die Region mit dem Serpentinkörper des Ochsenriegels, Steinstückls und des Kienbergs in der Nähe von Bernstein gehört – in tektonischer Hinsicht – zum sogenannten Bernsteiner Fenster, wo infolge Abtragung relativ junger Sedimentdecken alte, marine Ablagerungen zum Vorschein kommen. Serpentinit (es handelt sich nicht um das Mineral Serpentin!) tritt in engem Verband mit Grünschiefer auf. Es handelt sich um magnesiumreiches Silikatgestein, das durch Umwandlung basischer Ergussgesteine entstanden ist. Der hohe Magnesiumanteil und der Schwermetallgehalt vor allem an Nickel, Chrom und Kobalt stellen pflanzliche Stressfaktoren dar, die zu einer von der „Normalform“ abweichenden Pflanzendecke führen. Diese Faktoren verzögern die Bodenbildung, sodass Serpentinstandorte zumeist felsig und flachgründig sind. Zusätzlich erwärmt sich das anstehende dunkle (dunkelgrünliche) Gestein sehr rasch. Das alles und die hohe Wasserdurchlässigkeit sind Ursachen für extrem nährstoffarme Böden. In Anpassung an diese besonderen Verhältnisse haben sich spezielle Serpentinpflanzen (Serpentinophyten) entwickelt.

Darüber hinaus stellen die Gebiete überaus ästhetische Landschaftselemente mit einem grandiosen Panorama dar, die für das Burgenland als etwas Besonders angesehen werden können. Die Wiesenflächen werden von Naturschutzbauern gepflegt.

 

Charakteristische Habitate und Vegetation

Das Besondere dieses Gebietes sind die auf Serpentinit stockenden Pflanzen, wobei es unter diesen Serpentinophyten (Arten, die auf solchen Böden wachsen können, die meisten sind bloß fakultative Serpentinophyten) auch „Serpentin-Endemiten“ gibt, also Arten, die ausschließlich (obligatiorisch) über Serpentiniten wachsen („serpentinstet“ sind). Sie sind weit über das Burgenland hinaus einzigartig (in Österreich gibt es nur drei vergleichbare Biotope).

Über Serpentinit hat sich eine zwar erstaunlich artenreiche, wenn auch insgesamt ziemlich kümmerliche Vegetation entwickelt, die sich im Zwergwuchs bei Kräutern und Krüppelwuchs bei Bäumen sowie zum Teil in der Verkleinerung und Verdickung der Blattspreiten äußert. Manche Pflanzen über Serpentinitgestein neigen auch zu Rotfärbungen, wobei es oft schwierig ist festzustellen, ob es sich nur um Serpentinmorphosen (nicht-erbliche Erscheinungen) handelt oder um eigenständige Sippen.

 

Pflanzen- und Tierarten

Zeitig im Frühjahr erblüht die Gegend mit einem Massenvorkommen von

Gösing-Täschelkraut / Noccaea goesingense (Thlaspi goesingense),

Serpentin-Crantz-Fingerkraut / Potentilla crantzii var. serpentini und

Weiß-Fingerkraut / Potentilla alba.

Weitere interessante Arten sind

Serpentin-Kartäuser-Nelke / Dianthus carthusianorum subsp. capillifrons,

Grünspitzen-Streifenfarn / Asplenium adulterinum,

der in Felsspalten wurzelnde

Serpentin-Streifenfarn / Asplenium cuneifolium besonders auf dem Ochsenriegel

und als größte Rarität das

Serpentin-Steppen-Aschenkraut / Tephroseris integrifolia subsp. serpentini.

An nassen Stellen gibt es noch den überaus seltenen

● Serpentin- oder Balkan-Ehrenpreis / Veronica scardica.

Zahlreiche weitere Pflanzen zieren ganzjährig die Hügelkuppen.

 

Als Besonderheit darf das überaus reichhaltige Heuschreckenvorkommen mit etwa 30 Arten auf engstem Raum speziell am Wenzelanger angesehen werden, worunter so seltene Arten wie

● Steppen-Sattelschrecke / Ephippiger ephippiger,

● Gewöhnliche Gebirgsschrecke / Podisma pedestris und

● Rotflügelige Schnarrschrecke / Psophus stridulus sind.