(1) Naturschutzgebiet Schachblumenwiesen in Hagensdorf im Burgenland und in Luising

Naturschutzgebiet Schachblumenwiesen

Glatthaferwiese / Arrhenatherion mit Eichenbestand im Teilgebiet Luising

Lage

Bezirk Güssing; KG Hagensdorf im Burgenland, KG Luising; die beiden (voneinander getrennten) Schutzgebiete befinden sich südlich von Hagensdorf und östlich von Luising; Schutzgebietsgröße: 43 ha; Seehöhe: 195–200 m.

 

Wegroute

Start und Endpunkt der Tour ist in Hagensdorf im Burgenland an der Abzweigung der Landesstraße Richtung Heiligenbrunn.

Die Route führt von Hagensdorf Richtung Süden vorbei an der Kläranlage, von der aus sich nach Osten das Schutzgebiet Hagensdorf erstreckt. Richtung Luising geht man nach dem Stremkanal den Güterweg nach links (Osten), bis man bei einer Brücke auf die Nordseite der Strem wechselt. Danach geht man den Weg entlang der Strem Richtung Osten bis zum Schutzgebiet Luising. Für den Rückweg immer links halten Richtung Luising. Nach dem Ortsanfang biegt man in den ersten Güterweg Richtung Westen (links) ein und folgt diesen bis Hagensdorf. Die Gesamtgehzeit (auf einer Länge von 7 Kilometern) beträgt zirka 2,5 Stunden.

Wanderroute Schachblumenwiesen

Wanderroute Naturschutzgebiet Schachblumenwiesen

 

Allgemeine Beschreibung

Die wohl bekannteste burgenländische Pflanzenrarität ist die Schachblume / Fritillaria meleagris mit ihrem unverwechselbaren, an ein Schachbrett erinnernden Muster auf der Blüte. Die Schutzgebiete in der KG Hagensdorf im Burgenland und KG Luising weisen eines der bedeutsamsten Schachblumenvorkommen Österreichs auf. Die Schutzgebiete beinhalten Restflächen der entlang der Strem ehemals weit verbreiteten Wiesengesellschaften. Die Wanderung führt zu selten gewordenen Pfeifengraswiesen, Auwäldern und Feuchtlebensräumen entlang von Fließgewässern.

Die nahe der Strem gelegenen Überflutungswiesen wurden durch wasserbauliche Maßnahmen stark beeinträchtigt, sodass nicht nur die einst alljährlich auftretenden Frühjahrsüberschwemmungen ausbleiben, sondern auch der seinerzeit hochstehende Grundwasserspiegel sukzessive absinkt. Die Folge ist eine zunehmende Austrocknung der Böden mit negativen Auswirkungen auf die auf Feuchtstandorte spezialisierte Pflanzenwelt.

Besonders bemerkenswert im Gebiet sind die nahe den Wiesenflächen in Richtung der Grenze zu Ungarn gelegenen Auwälder, die zu den artenreichsten und schönsten des Burgenlandes zählen. Temporäre Wasserlacken und Tümpel geben den Auwäldern ein urwüchsiges Gepräge. In diesen Aubereichen kommt die Schachblume / Fritillaria meleagris gemeinsam mit zahlreichen anderen Geophyten (Pflanzen, die mit Speicherorganen in der Erde überwintern) vor und bildet im Frühling einen überaus reizvollen und bunten Blühaspekt (Weinzettl 2010).

 

Charakteristische Habitate und Vegetation

Die Schutzgebietsflächen werden großteils von Feuchtwiesen eingenommen. Die tiefer gelegenen Bereiche der Wiesen werden von Großseggen dominiert. Diese Bestände sind artenarm und durch hoch anstehendes Grundwasser geprägt. Aufgrund von Entwässerungsmaßnahmen entwickeln sich die Flächen in Luising zunehmend zu Halbtrockenrasenstandorten. Die ursprünglichen Überschwemmungswiesen / Deschampsion mit hoher Dichte an Schachblumen sind weitgehend verschwunden (Magnes, Drescher & Nestroy, 2013). In einer Senke im Zentrum der Hagensdorfer Wiese befindet sich ein Großseggenried / Magnocaricion, das in niederschlagsreichen Perioden überflutet wird und sehr sumpfige Standortsbedingungen aufweist.

Am westlichen Randbereich der Wiese in Hagensdorf ist eine Pfeifengraswiese / Molinion zu finden. Diese Fläche ist sehr artenreich und weist einen großen Bestand des Lungen-Enzians / Gentiana pneumonanthe auf. Auf eine kleine Fläche im Bereich Luising beschränkt sich das Vorkommen eines bodensauren Halbtrockenrasens mit dominierendem Furchen-Schwingel / Festuca rupicola.

 

Pflanzenarten

In den Feuchtwiesen kommen vor:

Bach-Kratzdistel / Cirsium rivulare

Wiesen-Fuchsschwanzgras / Alopecurus pratensis

und seltene und gefährdete Arten wie

Fünfzahl-Weißmiere / Moenchia mantica

Gnadenkraut / Gratiola officinalis

Lungen-Enzian / Gentiana pneumonanthe

 

In verlandenden Hochwasserabzugsgräben findet man die Wasserfeder / Hottonia palustris in unmittelbarer Nachbarschaft mit dem seltenen Groß-Wasserfenchel / Oenanthe aquatica.

In den Gräben und Vorflutern außerhalb des Augebietes wiederum kann man

weitere Besonderheiten in großer Zahl bewundern. Es kommen zwei Arten der Gattung Igelkolben, nämlich Astlos-Igelkolben / Sparganium emersum und Äste-Igelkolben / Sparganium erectum vor, weiters

Europa-Froschlöffel / Hydrocharis morsus-ranae,

Groß-Seerose / Nymphaea alba und

Schwanenblume / Butomus umbellatus.

 

Die Auwälder werden geprägt durch die Hartholz-Au mit

Stiel-Eiche / Quercus robur

Quirl-Esche / Fraxinus angustifolia subsp. danubialis

Flatter-Ulme / Ulmus laevis

sowie Weichholz-Au mit Schwarz-Erle / Alnus glutinosa und verschiedenen Weidenarten / Salix spp.

 

Im Frühling findet man in der Krautschicht massenhaft

Schneeglöckchen / Galanthus nivalis

Frühlings-Knotenblumen / Leucojum vernum

Traun-Blaustern / Scilla drunensis

Wald-Gelbstern / Gagea lutea

Hohl-Lerchensporn / Corydalis cava

Moschuskraut Adoxa moschatellina

● Gelb-Windröschen / Anemone ranunculoides

(Weinzettl 2010)