(3) Naturschutzgebiet Rohrbacher Kogel (Marzer Kogel) und Natur- und Landschaftsschutzgebiet Teichwiesen

Naturschutzgebiet Rohrbacher Kogel

Halbtrockenrasen im Sommer mit Rispen-Graslilie / Anthericum ramosum

Lage

Bezirk Mattersburg; KG Marz, KG Rohrbach bei Mattersburg; KG Loipersbach im Burgenland; die Gebiete befinden sich nordöstlich von Marz und zirka 2 Kilometer nördlich von Rohrbach; Schutzgebietsgröße: 21 ha; Seehöhe: 270–388 m.

 

Wegroute

Der Start und Endpunkt befindet sich bei der Tennisanlage Marz – Rohrbach. Die Wegroute führt vom Tennisplatz Richtung Nordosten bis zu einer Pappelgruppe und dann immer geradeaus auf den Kogel. Beim Abstieg sich immer links (Osten) Richtung Teichwiesen halten und den Radweg bis zu den Teichwiesen nehmen. Beim Rückweg den Radweg bis zur ersten Kreuzung gehen und dann rechts den Güterweg geradeaus bis zum Ausgangspunkt. Ein Abstecher zum Vogelbeobachtungspunkt an den Teichwiesen rechts vom Güterweg zahlt sich aus. Die Gesamtgehzeit beträgt zirka 3 Stunden auf einer Länge von 9 Kilometern.

Wanderroute Rohrbacherkogel Teichwiesen_ÖK

Wanderroute Rohrbacher Kogel Teichwiesen

 

Allgemeine Beschreibung

Eingebettet in einer extensiv genutzten Kulturlandschaft mit Obst- und Weingärten, extensiven Wiesen und Ackerflächen, ist der Rohrbacher Kogel Teil einer der größten Trockenlandschaften Burgenlands. Die steilen, sonnseitig gelegenen Hänge des Naturschutzgebietes Rohrbacher Kogel (Kogelberg) weisen wegen ihres kalkhältigen Bodens und der günstigen klimatischen Bedingungen eine überaus artenreiche Fauna und Flora auf. Vor der vielseitigen Nutzung der Schutzgebietsflächen als Hutweide, Mähwiese und Ackerbaufläche befand sich hier wahrscheinlich ein Flaumeichenwald. Aktuell wird die Fläche im Turnus von zwei Jahren im Spätsommer gemäht. Mittlerweile haben sich auf den unterschiedlichsten Hangabschnitten Mager- und Trockenstandorte ausgebildet, die vielen farben- und formenprächtigen Floraelementen eine Überlebensgrundlage bieten.

Die Teichwiesen liegen in einer Senke am Fuß des Rohrbacher Kogels und werden durch Hangsickerwasser gespeist. Die großen Schilf- und Wasserflächen stellen einen bedeutsamen Lebensraum für eine Vielzahl an Wasservögeln und mehrere bedrohte Amphibienarten dar. Die höher gelegenen Teile am Rande der Teichwiesen werden von Trockenwiesen eingenommen, wobei auch kleinflächig Feuchtwiesen und Großseggenbestände angetroffen werden können. In Richtung Süden und Westen sind neben einer Niedermoorfläche ausgedehnte Magerwiesen und Halbtrockenrasen zu finden.

 

Charakteristische Habitate und Vegetation

Am nordwestlichen Oberhang des Rohrbacher Kogls befindet sich ein Traubeneichenbestand, der als Niederwald genutzt wird. Der Bestand ist mit einer Kraut- und Strauchschicht reich strukturiert. Der inselhafte Wald mit Flaumeiche / Quercus pubescens weist einen ausgeprägten Unterwuchs mit typischen Arten der Steinsamen-Eichenwälder / Quercion pubescenti-petraeae auf. Die Schwarzföhrenbestände am Rohrbacher Kogel stammen durchwegs von Aufforstungen. Der Südhang ist infolge ehemaliger Materialentnahmen des Kalksandes und -schotters reich strukturiert. Hier kommt es zur Ausprägung von pannonischen Halbtrockenrasen / Cirsio-Brachypodion. Aufgrund des kleinräumigen Mosaiks kommt es zu einer artenreichen Vegetation, wie z. B. Saumgesellschaften (Blutstorchschnabel-Gesellschaften / Geranion sanguinei) entlang des Waldrandes, auf den Böschungen und an der Schutzgebietsgrenze. Auffallend ist das große Spektrum an Orchideen.

Ein Großteil der Teichwiesen ist mit Schilf / Phragmites australis bedeckt. Auf den etwas höher gelegenen Wiesenflächen kommt es zur Ausbildung von wechselfeuchten Magerwiesen. Pannonische Halbtrockenrasen / Cirsio-Brachypodion sind an den Hängen im Südwesten des Schutzgebietes zu finden. Das nördliche und nordöstliche Ufer wird an den trockenen Stellen von einem Bestand der Aufrecht-Trespe / Bromus erectus dominiert. In einem kleinen Bereich am Uferwiesenstreifen kommt es zur Ausbildung einer Glatthaferwiese / Arrhenatherion mit Dominanz des Arznei-Baldrians / Valeriana officinalis. In einem kleinen Teil des Schutzgebietes ist eine Pfeifengraswiese / Molinion erhalten geblieben. Diese Pflanzengesellschaft ist am Übergang zwischen Magerwiese und Feuchtwiese anzutreffen. Im Bereich des Teichufers kommt es bei sumpfigem Boden mit oftmaliger Überflutung und starker Bodenverdichtung zur Ausprägung einer Straußgrasflur. In einem schmalen Bereich entlang des Teichufers kommt es, auf periodisch überflutetem Standort, zur Ausbildung eines Großseggenriedes / Magnocaricion.

 

Pflanzen- und Tierarten

Im Gebiet ist die wärmeliebende Flaum-Eiche /Quercus pubescens genauso wie zahlreiche floristische Juwele wie

Bunt-Schwertlilie / Iris variegata,

Diptam / Dictamnus albus,

Gewöhnlich-Fransenzian / Gentianopsis ciliata und

zahlreiche Orchideen-Arten wie

Helm Knabenkraut / Orchis militaris,

Hummel-Ragwurz / Ophrys holoserica,

Rot-Ständelwurz / Epipactis atrorubens zu finden.

 

Federgras / Stipa pennata agg.,

Wimper-Perlgras / Melica ciliata,

Steppen-Glockenblume / Campanula sibirica,

Kamm-Wachtelweizen / Melampyrum cristatum und

Feinblatt-Lein / Linum tenuifolium lieben die trockenen Standortbedingungen, die durch eine geringe Humusauflage und eine hohe Sonneneinstrahlung verursacht werden (Weinzettl 2010).

 

Die von wechselfeuchten Wiesen umgebene Teichlandschaft der Teichwiesen weist großflächige Schilfbestände (Phragmites australis) auf, in denen

● Zwergdommel / Ixobrychus minutus,

● Rohrweihe / Circus aeruginosus,

● Drossel-, Teich- und Sumpfrohrsänger / Acrocephalus arundinaceus, A. scirpaceus, A. palustris,

● Rohrschwirl / Locustella luscinoides und auch

● Nachtreiher / Nycticorax nycticorax brüten.

Aus den angrenzenden Überschwemmungswiesen kann man sogar den markanten Ruf des Wachtelkönigs / Crex crex vernehmen (Weinzettl 2010).