Renaturierung ausgewählter Lacken im Nationalpark Neusiedler See –Seewinkel

Seewinkel

Lacke im Frühsommer

 

Ein Projekt im Rahmen der Ländlichen Entwicklung – Sonstige Maßnahmen (2004–2008).

Erhebung des ökologischen Zustandes sowie Entwicklung eines Erhaltungskonzeptes der Lacken des Seewinkels

Ein Projekt im Rahmen der Ländlichen Entwicklung – Sonstige Maßnahmen (2008–2011).

 

Der burgenländische Seewinkel leidet seit Jahrzehnten an einem dramatischen Rückgang seiner einzigartigen Salzlacken (Lackensterben). Als Hauptursachen dafür konnten Salz- und Wasserentzug über ein verzweigtes Kanalsystem, Grundwasserabsenkung sowie künstliches Einpumpen von Grundwasser verantwortlich gemacht werden. In der Folge kam und kommt es zu einem Rückgang der natürlichen Salznachlieferung aus dem Grundwasser in den Lackenstauhorizont und damit zu dramatischen Veränderungen des Lackenbodens und zum Einwandern einer dichten, standortfremden Vegetation (Verlandung). In einem Pilotprojekt wurde erstmalig versucht, drei bereits degradierte Salzlacken mit verschiedenen Managementmaßnahmen zu renaturieren. Die Maßnahmen reichten dabei von Vegetations- und Humusentfernung über Salzeinbringung bis zu einem Beweidungsmanagement und wurden für jede der drei Lacken individuell erstellt. Auf die bereits völlig verlandete Nördliche Martinhoflacke (MHL) wurde nach der Mahd in drei aufeinander folgenden Jahren (2005 bis 2007) großflächig Salz (Soda und Glaubersalz) aufgebracht, wobei 2005 auf einer kleineren Testfläche außerdem die Vegetation und die oberste Humusschicht abgetragen wurden. Die Kleine Neubruchlacke (KNB) wurde im Jahr 2005 nach der Mahd großflächig mit Salz bestreut, während am Krautingsee (KS) versucht wurde, mittels Beweidung mit Rinderherden den massiven Schilfbestand zurückzudrängen. Parallel zu den Behandlungen wurden chemische, mikrobiologische und vegetationsökologische Analysen durchgeführt um die Auswirkungen der Maßnahmen zu dokumentieren.

An der MHL lag 2004 noch eine weitgehend geschlossene Vegetationsdecke mit wiesenähnlichem Charakter und wenig Lebensraum für typische Salzpflanzen vor. Nach den Maßnahmen kam es bereits innerhalb weniger Monate zu einer starken Reduktion der Vegetation auf nur mehr 10 % der ursprünglichen Deckung sowie zur Wiederansiedelung typischer Salzpflanzen. Die freien Flächen führten auch erstmals seit Jahren wieder Wasser, was durch die chemischen und strukturellen Veränderungen des Bodens ermöglicht wurde. Die Zugabe der beiden Salze Soda und Glaubersalz führte mit Hilfe der aktiven Bakterienflora innerhalb von 1 bis 2 Jahreszyklen zur vollständigen Veratmung der Vegetation und Humusdecke, ohne dass eine vorherige großflächige mechanische Entfernung nötig war. Die Anhebung des pH-Wertes auf 9 bis 10 schuf optimale Bedingungen für die Remineralisierung des organischen Materials im Wasserkörper und im feuchten Gewässerboden. Wie mikrobiologische Untersuchungen zeigten, war die Menge der aktiven Bakterien im Wasserkörper im Vergleich zum Lackenboden in ökologisch intakten Lacken signifikant höher als in nicht intakten Lacken, was die entscheidende Rolle einer aktiven Mikroorganismenflora im Wasser für die Funktionstüchtigkeit einer gesunden Lacke unterstreicht. Je mehr organisches Material effektiv unter aeroben Bedingungen im Wasserkörper abgebaut wird, desto weniger reichert sich am Lackenboden an – ein Prozess, der die Verlandung dieser flachen Gewässer seit Jahrtausenden verhindert. Konstante pH-Werte in den obersten Zentimetern der Sedimente spiegeln diese günstigen Verhältnisse in gesunden Lacken deutlich wider. Der erhöhte Salzgehalt führte auch zu einem Wiederanstieg der Feinstfraktionen der Bodenpartikel und damit zu einem Abdichten des Lackenbodens. Ganz ähnliche Beobachtungen konnten auch bei der noch weniger beeinträchtigten KNB gemacht werden, wo es nach der Salzung zu einem Rückeinwandern von Salzpflanzen in die offenen, teilweise wieder unter Wasser stehenden, behandelten Flächen kam. Am KS führte die Beweidung durch eine Rinderherde zu einem starken Rückgang des Schilfs von ca. 70 % auf nur mehr 30% Deckung, sowohl durch Entzug an Biomasse als auch durch Schädigung der Schilfrhizome. Gleichzeitig konnten typische Salzpflanzenarten gefördert werden. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen also erstmals eindeutig, dass der Degradationsvorgang der Salzlacken durch geeignete Managementmaßnahmen reversibel sein dürfte und die Möglichkeit besteht, große bereits verloren gegangene Lackenflächen wieder zu gewinnen. Allerdings ist ein längerfristiges Überleben der renaturierten als auch der noch vorhandenen Lacken unmittelbar an eine Anhebung des Grundwasserspiegels in und an das Verhindern des Abflusses von salzreichem Wasser aus dem Seewinkel geknüpft. Dies kann aber nur dann erreicht werden, wenn alle beteiligten Interessensgruppen sowie die politisch Verantwortlichen den gemeinsamen Willen und die nötigen Mittel aufbringen, alles zu tun, um das Naturjuwel Seewinkel mit seinen Salzlacken auch für die Zukunft zu erhalten (Kirschner, Krachler, Krachler & Korner  2007).

Endbericht Lackenrenaturierung:

Renaturierung ausgewählter Salzlacken des burgenländischen Seewinkels

 

Broschüre Salzlacken Seewinkel:

Die Salzlacken des Seewinkel