Erhebung und Pflege für Halbtrocken- und Trockenrasen im Nord-, Mittel- und Südburgenland

alter Steinbruch Gemeinde Stotzing

Aufgelassener Steinbruch in der Gemeinde Stotzing

 

Ein Projekt im Rahmen der ländlichen Entwicklung – Sonstige Maßnahmen (2004–2008).

Trocken- und Halbtrockenrasen, wärmeliebende Saumgesellschaften, Gebüsche natürlicher Trockenstandorte, trockene Wälder und trockene Magerwiesen zählen mit ihren meist reich gegliederten Randgebieten zu den artenreichsten Biotoptypen des Burgenlandes. In den auf kargem Boden wachsenden natürlichen Trockenrasen und den durch extensive Beweidung entstandenen Halbtrockenrasen konnten zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, deren natürliche Verbreitungsgebiete weitab von der ursprünglich geschlossenen Waldlandschaft Mitteleuropas liegen, Fuß fassen. Diese Arten tragen wesentlich zur Diversität der heimischen Flora und Fauna bei. Aufgrund ihrer hohen Gefährdung durch drohenden Lebensraumverlust sind sie heute in den Mittelpunkt des Artenschutzes gerückt. Daher wurden im Projekt „Trocken- und Halbtrockenrasen im Burgenland“ alle relevanten Standorte des Landes vegetationsökologisch kartiert, auf den aktuellen Zustand und die Gefährdung hin überprüft, Pflegekonzepte erstellt und Natura-2000-Monitoringflächen ausgewiesen. Gleichzeitig erfolgte ein Abgleich mit dem in der Literatur (Sauerzopf 1984, Holzner 1986) beschriebenen Bestand. Mit Hilfe standardisierter Felderhebungsbögen wurden flächenbezogene Parameter wie Biotoptyp, Seehöhe, Eigentumsverhältnisse, Flächenausdehnung, Exposition, Neigung, Relief, Grad der Beeinträchtigung, Stufe der Sukzession, Gefährdungsursachen, bisherige Pflege und FFH-Relevanz erhoben. Zusätzlich wurde für jede Fläche eine Artenliste erstellt und besondere zoologische Beobachtungen wurden notiert. Unter Berücksichtigung von Leitarten wurde für jedes einzelne Polygon ein Managementkonzept erarbeitet, um die fachgerechte Pflege des Habitats zu sichern. Im Anschluss an die Geländearbeit wurden die Daten in eine Access-Datenbank eingegeben und im GIS digitalisiert. Dabei wurden landesweit rund 2.300 Einzelpolygone mit einer Gesamtgröße von 3.497 ha erhoben. Das entspricht 0,88 % der Landesfläche. 1,34 % dieser Polygone liegen in Natura2000-FFH-Lebensraumschutzgebieten (pSCI), 1,49 % in Vogelschutzgebieten (SPA) und 17,35% in Naturschutzgebieten. Im nördlichen Burgenland überwiegen verschiedene Ausbildungen der Trocken- und Halbtrockenrasen. Magerwiesen und -weiden spielen hier nur eine untergeordnete Rolle. Die Ursachen dafür sind sowohl im ausgeprägt pannonischem Klima des nördlichen Burgenlandes als auch in der Art der Weidetradition zu suchen. Die trockenen, sonnenexponierten Abhänge des Leithagebirges und des Ruster Hügellandes wurden ebenso wie die einst ausgedehnten Wiesenflächen des Seewinkels über Jahrhunderte hinweg als Hutweiden genutzt. Durch diese extensive Beweidung bildeten sich hier vorwiegend Halbtrockenrasen mit dominierender Aufrecht- Trespe / Bromus erectus oder Fieder-Zwenke / Brachypodium pinnatum aus. Heute existieren nur noch Reste dieser Hutweiden, hauptsächlich an den exponierten Kuppenregionen des Leithagebirges und des Ruster Hügellandes, die sich für Wein- oder Ackerbau nicht eignen. Großflächige zusammenhängende Trockenrasen sind vor allem auf dem Truppenübungsplatz Bruckneudorf erhalten geblieben. Trotz Beeinträchtigungen durch mangelnde Pflege zeichnen sich diese Halbtrockenrasen immer noch durch eine enorme Artenvielfalt aus. Im Zuge der Kartierungen konnten viele Rote-Liste-Arten nachgewiesen werden.

Südlich des Sieggrabener Sattels ändert sich das Bild grundlegend. Aufgrund des wesentlich feuchteren Klimas dominieren unter den Trockenbiotopen hochwüchsigere Magerweiden und vor allem Magerwiesen, die zur Heugewinnung ein- bis zweimal jährlich gemäht werden. Charakteristisch für diese Wiesen sind Glatthafer /Arrhenatherum elatius, Wiesen- Ruchgras / Anthoxanthum odoratum, Wiesen-Flaumhafer / Avenula pratensis, Mittel-Zittergras / Briza media, Aufrecht-Trespe / Bromus erectus und ein hoher Blütenreichtum. Auch hier sind bereits unzählige Flächen durch Düngung oder Umwandlung in Ackerland verschwunden. Dennoch befinden sich im Mittel- und Südburgenland noch zahlreiche, meist kleinflächige Reste dieser Magerwiesen. Diese konzentrieren sich besonders auf die Hänge des Bernsteiner und des Günser Gebirges sowie des Güssinger Hügellandes und die vorgelagerten Flächen.

Im Vergleich zu den Referenzpublikationen (Landschaftsinventar Burgenland 1984 und Österreichischer Trockenrasenkatalog 1986) sind bereits zahlreiche der darin beschriebenen Flächen verschwunden bzw. mehr oder weniger stark degradiert. Hauptursachen für diesen Bestandrückgang sind eine weitgehende Aufgabe der extensiven Beweidungs –oder Mahdwirtschaft, die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung und die zunehmende Umwandlung geeigneter Gebiete in Weinbau- oder Ackerflächen. Ein großes Problem ist die mit zunehmender Verbrachung einhergehende Vergrasung und Verbuschung der Flächen. Bei 41,48% aller erhobenen Polygone– also fast der Hälfte! –  ist eine Zerstörung zu befürchten, bei 12,9% scheint eine Zerstörung in unmittelbarer Zukunft sogar wahrscheinlich. Beinahe 4 % der Polygone sind akut bedroht, und bei etwa 3,5 % ist die Zerstörung bereits im Gange. Handlungsbedarf ist also dringend gegeben. Erste Ansätze dazu gibt es. Mehrere Flächen wurden bereits geschwendet und werden wieder extensiv beweidet oder gemäht. Um die Zerstörung wertvoller Flächen zu verhindern oder zumindest einzudämmen sind weitere Maßnahmen gefragt. Die vorliegende Studie bildet durch die parzellengenaue Erfassung aller Trockenbiotope des Burgenlandes dazu eine ideale Grundlage (Roth 2007).

 

Projektendbericht:

Trockenrasenkartierung im Burgenland