Geschützter Lebensraum Rochuskapelle–St.Georgen

Geschützter Lebensraum Rochuskapelle–St.Georgen

Rochuskapelle–St.Georgen – pannonischer Halbtrockerasen / Cirsio-Brachypodion über Sand

 

Bezirk Eisenstadt Stadt; KG St. Georgen; LABL. Nr. 81/2005; Größe: 17,72 ha; Seehöhe: 190–280 m.

 

Nördlich von St. Georgen liegt am Unterhang des Leithagebirges ein großflächiges Trockenrasengebiet. Das geologische Ausgangsmaterial besteht hauptsächlich aus Leithakalk, der durchzogen ist mit Schichten aus Sand, Schotter und Tonmergel (Schönlaub et al. 2000). Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die Flächen des Schutzgebietes als Hutweide und die angrenzenden Bereiche als Wein- und Obstgärten genutzt. Nach der Aufgabe der Bewirtschaftung wurde ein Teilbereich mit Schwarz-Föhre / Pinus nigra aufgeforstet und auf der verbliebenen Restfläche setzte die Verbuschung und Verbrachung ein. Intakte Trockenrasen blieben nur auf den flachgründigen Standorten erhalten. In den nördlichen Randbereichen setzte sich ein Wald mit Feld-Ahorn / Acer campestre  und Hainbuche / Carpinus betulus durch. Die südliche Teilfläche unterhalb der Rochuskapelle wird von einer pannonischen Rasensteppe / Festucion valesiacae mit Übergängen zu Saumgesellschaften eingenommen. In Richtung Norden schließt ein lang gezogener Halbtrockenrasen mit dominierender Aufrecht-Trepse / Bromus erectus über sandigem Boden an, der eine hohe Artenvielfalt aufweist. Die größte Fläche im Schutzgebiet wird von mäßig verbrachten und zum Teil stark verbuschten pannonischen Halbtrockerasen / Cirsio-Brachypodion eingenommen. Im Bereich der St.Floriankapelle befindet sich eine gemähte Magerwiese. An den Rändern von Gehölzgruppen und Waldflächen sind zumeist Saumgesellschaften anzutreffen. Die insgesamt 17,72 ha umfassenden Flächen nehmen wärmeliebende Pflanzengesellschaften ein mit einer Vielzahl an botanischen Besonderheiten wie beispielsweise Frühlings-Adonis / Adonis vernalis, Groß– und Schwarz-Küchenschelle / Pulsatilla grandis und P. pratensis subsp. nigricans, Kopfnelke / Petrorhagia prolifera, Diptam / Dictamnus albus, sowie die Orchideenarten Adria-Riemenzunge / Himantoglossum adriaticum, Helm-Knabenkraut / Orchis militaris und Purpur-Knabenkraut / Orchis purpurea, Hummel-Ragwurz / Ophrys holoserica, Fliegen-Ragwurz / Ophrys insectifera und Rot- Ständelwurz / Epipactis atrorubens.

 

Naturschutzfachliche Erhaltungsziele
  • Erhaltung (Entwicklung) der Trockenrasengesellschaften
  • Erhaltung (Förderung) von Saumgesellschaften
  • Erhaltung von Gehölzgruppen und Felsstandorten als Lebensraumelemente
  • Vernetzung mit angrenzenden Trockenflächen
  • Entwicklung einer Pufferzone
  • Einschränkung von Forststraßenbaumaßnahmen

 

Pflegemaßnahmen

Der „Geschützte Lebensraum St. Georgen – Rochuskapelle“ beherbergt überregional bedeutsame Arten der „Roten Liste“.  Aufgrund der unterschiedlichen Sukzessionsstadien haben sich verschiedene Lebensräume entwickelt. Ein besonderes Augenmerk wird bei den vorgeschlagenen Pflegemaßnahmen auf die extensive Nutzung der Saumgesellschaften gelegt. Seit dem Jahr 2009 wird das Schutzgebiet mit Schafen beweidet. Im Vorfeld fanden mehrere Entbuschungsmaßnahmen statt. Eine Gefährdung für die Trockenrasen stellen insbesondere die Wegebaumaßnahmen dar, da dabei die Vegetation durch Bodenaushub zerstört wird. Künftige Wegerhaltungsmaßnahmen müssen zur Einhaltung der Schutzziele in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde erfolgen. Im Osten grenzt an das Schutzgebiet ein sehr artenreicher Bereich, der durch Brachen und Mähwiesenflächen in unterschiedlichen Sukzessionstadien gekennzeichnet ist. Eine Schutzgebietserweiterung wäre hier sinnvoll. Ein wichtiger Punkt ist die Vernetzung mit den umliegenden Brach- und Trockenrasenflächen. Eine Vernetzung mit dem Trockenrasen am Hetscherlberg und am Schauerkreuz wäre zum Beispiel durch die Verbindung einiger Brachen entlang des Waldsaumes möglich.