Phragmites australis

Gewöhnlich-Schilf

Syn.:
  • Phragmites communis

  • Echtes Schilf

 

♃. Dicke Rhizome und meist lange, unter- und oberirdische oder im Wasser flutende Ausläufer;  mehr als 1 m tief wurzelnd. Blattspreiten meist 30–80(100) cm lang, mit zickzackförmigen Querfalten;  Haarkranz statt Blatthäutchen;  Ährchen mit langen, seidigen, aus dem Ährchen herausragenden Haaren, mehr­blütig (die unterste Blüte F mit nur 2 Staubblättern, die übrigen zwittrig), zahlreich in 20–40(60) cm langen Rispen angeordnet.

Wuchshöhe: 1–4 m. Blühzeit: VII–IX(X).

Ufer und bis 1 m tiefe Gewässer (stehende oder langsam fließende), nasse Wiesen, Weichholz-Auwälder, an trockeneren Standorten Grundwasser­zeiger, salztolerant, Verlandungspionier, in Uferbereichen oft große Bestände (Röhricht) bildend.

Der ausgedehnte, an manchen Stellen mehrere km breite Schilfgürtel v. a. am Westufer sowie am ungarischen Südufer des Neusiedler Sees bedeckt ca. 180 km2, davon rund 100 km2 auf österreichischem Gebiet. Die Naturzone des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel, mit ihren augedehnten Schilf­beständen, durchsetzt mit seichten Wasserflächen,  gehört zu den ökologisch reichsten und wertvollsten Biotopen Mittel­europas, wo umfangreichere Schilfbestände selten geworden sind. Das Schilf am See und v. a. an den Seewinkellacken hat sich erst seit ca. 1850 und verstärkt in den letzten Jahrzehnten ausgebreitet (Stabili­sierung des Wasserstandes, Rückgang der Beweidung der Lacken­rän­der und Eutro­phie­rung sind die Ursachen).

Als Lebensraum ist der ausgedehnte Schilfgürtel nicht nur für die Vogelwelt von Bedeutung, auch Insekten-, Amphibien- und vor allem Fischarten bietet die ± natürliche „Monokultur“ ideale Bedingungen. Ab dem Spätsommer (wenn die Vogelbrut­saison vorbei ist) kann man per geführter Kanu-Exkursion den Schilfgürtel erkunden (Informati­onen dazu  im Nationalpark-Info-Zentrum in Illmitz).

Obwohl Schilfdickichte interessante Lebensräume bilden, sind sie nicht überall erwünscht. Daher wird an manchen Lackenrändern und See­vorgelände-Zonen das Schilf durch Beweidung (Rinder, Pferde, Esel) und winterliche Ernte zurückgedrängt, um offene Flächen zu schaffen, die ihrerseits auch bestimmte naturschutzfachliche Bedeutung haben (Brutareale für Watvögel, Weidegebiete für Graugänse).

Phragmites australis ist zudem eine wertvolle Nutzpflanze, von der auch am Neusiedler See Gebrauch gemacht wird, allerdings mit rückläufiger Tendenz und selbstverständlich unter Bedacht­nahme auf naturschutzfachliche Gesichtspunkte (Vogelbru­ten!). Heute werden nur noch rund 10 bis 20 % der Schilffläche genutzt. Das Schilf wird im Herbst/Winter geschnitten und zu kegelförmigen, so genannten „Schilf-Manderln“ zum Trocknen aufgestellt. Ab dem Frühjahr wird das Schilf sortiert, der Länge nach zurecht geschnitten, zu Bunden geschnürt und anschließend – als wertvoller nachwachsender Rohstoff – für verschiedene Zwecke verwendet (für Stukkaturmatten, zum Dachdecken, aber auch für Zellulosegewinnung und in der chemischen Industrie). Neuerdings beschäftigt man sich auch mit der energetischen Nutzung des Brennmaterials Schilf.

Mit dem Schilf verwandt ist das Riesenschilf  oder Pfahlrohr  Arundo donax, eine bis 8 m hohe Pflanze des Mittelmeergebietes, die früher auch am Neusiedler See für technische Zwecke kultiviert worden ist.