Hemerocallis lilioasphodelus

Gelb-Taglilie

Syn.:
  • Hemerocallis flava
  • Hemerocallis lilio-asphodelus
  • „Liliasphodelus luteus“

  • Ung.: sárgaliliom, sárga sásliliom (EÖ3, UMF)

Etymologie +

Der deutsche Gattungsname „Taglilie“ ist eine Lehnübersetzung des wissenschaftlichen Gattungsnamens „Hemerocallis“, der aus altgriechischen Bestandteilen zusammengesetzt ist: hemera = Tag; kallos = Schönheit. Also die „Tagschöne“,  die „nur einen Tag lang schön“ ist. Der Pflanzenname existiert allerdings schon vorlinnaeisch, er ist spätantik bei Plinius und auch bei Dioskurides belegt; auf welche Pflanze er sich bezieht, ist freilich unbekannt. Das Benennungsmotiv ist wahrscheinlich die Eigenschaft der Pflanze, dass die einzelne Blüte nur einen einzigen Tag lang anthetisch, also „schön“ ist.

Die beiden Wortstämme leben auch im modernen Griechisch weiter und sind allen Griechenlandreisenden als Grußformel geläufig: kali mera! = guten Tag!

♃, prächtige Rhizomstaude. Nah verwandt mit der (gelegentlich verwilderten) beliebten Garten­pflanze, der Gelbroten Taglilie / Hemerocallis fulva; von Carolus Clusius (1526–1609; bedeutender vor-linnéscher Bota­niker), der eine Zeit lang in Güssing gelebt hat und daher zum botanischen „Landesheili­gen“ des Burgenlands geworden ist, schon Ende des 16. Jahrhunderts bei Güssing [damals Nemethwywar = Németújvár]  beobachtet, siehe Clusius 1583: 134–144, Stout 1935, Traxler 1973.

Dies wird nicht nur von den Burgenländern als ein Indiz dafür angesehen, dass diese Art bei uns urheimisch, also keine verwilderte Zier­pflanze ist. Dennoch bestehen große Zweifel am Indigenat (siehe unter Verbreitung: Floristischer Status).

Wuchshöhe: 50–100 cm. Blühzeit: VI.

Si­cker­feuchte Steilhänge, feuchte Wiesen; sehr selten. Im Burgenland stark gefährdet!

Lebensdauer, Wuchsform, Lebensform

Staude.

Geophyt

Blühzeiten

Blüht im Juni, seltener auch schon im Mai.

Indikatorwerte

L6, T7, K5, F7, R6, N5, S0

Indikatorwerte nach Borhidi 1995.

Vergesellschaftung (Pflanzensoziologie)

Molinion / Pfeifengras-Streuwiesen (nach Borhidi 1995).

Gesamtareal

Siehe unter Floristischer Status!

Floristischer Status

fraglich

Der floristische Status ist ungeklärt. Die Populationen im Burgenland, in Süd-Kärnten (siehe z.B. Leute & Niklfeld 1979) und in Teilen der Südalpen (angegeben für die italienischen Provinzen Brescia, Belluno, Treviso sowie für Friaul und Slowenien) sind konspezifisch mit denen im ostasiatischen Hauptareal (Sibirien, Ferner Osten Russlands, Mongolei, Korea, Japan, China). In Europa wie auch in Nordamerika tritt diese seit altersher als Zierpflanze beliebte Art  vielfach verwildert und eingebürgert auf. Die Fundpunkte im Süd-Burgenland liegen in Feuchtwiesen inmitten von Kulturland. Einige Vorkommen in den Südalpen, wie etwa auf dem Monte Verzegnis im Friaul, liegen allerdings weitab jeglicher Besiedlung, in 1600 m Seehöhe (Griebl 2015) und erwecken den Eindruck indigener Vorkommen. Die Möglichkeit, dass das Artareal extrem disjunkt ist und zumindest einige Vorkommen in den Südalpen autochthon sind, ist nicht gänzlich von der Hand zu weisen.

 

 

 

 

Verwendung

Wildgemüse, Wildsalat

Beschreibung

Als Zierpflanze kultiviert und häufig verwildert.

Herbarbelege

Hemerocallis lilioasphodelus (als H. flava), Eisenberggruppe bei Burg südl. Rechnitz; Wald-Wiesengraben zw. Hochtschaterberrg u. Csatherberg. Leg.: Hans Metlesics, 28.06.1959. LI 365117 (Biologiezentrum der OÖ Landesmuseen, Linz).