Die Landschaften des Burgenlandes mit besonderer Berücksichtigung der botanisch bemerkenswerten Stellen

Von Josef Fally und Manfred A. Fischer

mit Ergänzungen von Josef Weinzettl, Stefan Weiss und Clemens Pachschwöll

 

Inhaltsübersicht:

Die Benennung der Landschaften

Nord-Burgenland

Landschaften_Burgenland(1) Hanság (Waasen)
(2) Seewinkel und Neusiedler See
(3) Parndorfer Platte, (südlicher) Heideboden und Brucker Pforte
(4) Leithaboden (= nördlicher Heideboden)
(5) Winziger Anteil an den Hainburger Bergen: Spitzerberg
(6) Leithagebirge mit den südlichen Vorhügeln
(7) Nordwestliches Vorland des Leithagebirges, Wulkabecken und Wiener Neustädter Pforte
(8) Ruster Hügelland
(9) Rosaliengebirge
(10) Marzer Kogel und Draßburger Wald

Mittel-Burgenland

(11) Ödenburger Gebirge
(12) Landseer Gebirge und westliches Oberpullendorfer Becken
(13) Östliches Oberpullendorfer Becken (Hügelland von Deutschkreutz, Nikitsch und Lutzmannsburg)

Süd-Burgenland

(14) Bernsteiner Gebirge
(15) Günser Gebirge
(16) Südfuß des Günser Gebirges

(17) bis (25) Das Südburgenländische Hügelland im weiteren Sinn

(17) Oberes Pinkatal: In der Wart
(18) Eisenberg, Schandorfer Wald und Pinkaschlucht
(19) Punitzer Wald
(20) Pinkaboden (unteres Pinkatal)
(21) Oberes Lafnitztal
(22) Südburgenländisches Hügelland (im engeren Sinn)
(23) Unteres Lafnitztal
(24) Jennersdorfer Hügelland und Raabtal
(25) Neuhauser Hügelland

 

Bemerkung zur Benennung der burgenländischen Landschaften

Im Jahr 2003 hat die „Vereinigung Burgenländischer Geographen“ eine Straßenkarte im Maßstab 1 : 200 000 herausgebracht, auf der die meisten der burgenländischen Landschaften eingezeichnet sind (Autokarte Burgenland [2003]). Der Drucklegung war eine lange Diskussionsphase und Kooperation mit den Geographischen Instituten der Universitäten Wien und Graz vorausgegangen, in deren Verlauf man Namen für die Landschaften fixierte, die traditionellen Herkunftsbezeichnungen, geographischen Gegebenheiten und wissenschaftlichen Überlegungen entsprechen sollten.

Heißen die Hügel um Landsee nun „Gebirge“ oder „Berge“? Gibt es bei Rust einen „Hügelzug“ oder ein „Hügelland“? Fließt die Pinka bei Bildein durch ein „Tal“ oder durch einen „Boden“? Darf der burgenländische Teil des grenzüberschreitenden „Hanság“ auch als „Waasen“ bezeichnet werden? Diese Begriffe eindeutig zu klären, war das hohe Ziel der Burgenland-Geographen, und solche Fragen betrafen eben auch die bloße Benennung der Landschaften. Schwierig war insbesondere die Entscheidung, ob die Bezeichnung „Heideboden“, oft auch „Heidboden“ genannt, die auf den meisten Karten und Schulatlanten im äußersten Nordosten des Landes zu finden ist, nicht besser für das Gebiet östlich des Seewinkels zwischen St. Andrä am Zicksee und Janóssomorja (im angrenzenden Ungarn) gelten sollte.

Auf der Homepage des über Jahrzehnte sehr aktiven, inzwischen aber aufgelösten Vereins war diesbezüglich zu lesen: „Wir sind uns bewusst, dass manche Menschen nicht sofort mit unserem Ergebnis einverstanden sein werden. Wir halten es jedoch gerade für ein kleines Bundesland für wichtig, eine einheitliche Sprachregelung im Hinblick auf seine Landschaften zu haben. Selbstverständlich ist es auch ein Kompromiss zwischen verschiedenen Meinungen. Allerdings auch ein Kompromiss, … dem alle an den Gesprächen Beteiligten zustimmen konnten.“ Die Ergebnisse dieser Beratungen sind zwar in der erwähnten Straßenkarte (ohne Datum) dokumentiert, wurden aber nirgends erläutert oder begründet. (In Gager 2004: 253 werden bloß die Namen der 23 Landschaften genannt, die auf unserer Kartenskizze zu finden sind).

Der erwähnte Geographenverein ist inzwischen Geschichte. Zahlreiche Verwirrungen um die topografische Terminologie bleiben bestehen. Neben einigen Synonymen (Gmerk-Gatscher heißt in der amtlichen ÖK [Österreichischen Karte] „Gmark“, offizieller Riedname „Gmerk“; der Jungerberg heißt „Tannenberg“, in der Naturschutzverordnung „Junger-Berg“, Marzer Kogel = Rohrbacher Kogel) sind es hauptsächlich die Homonyme, die für Ärger sorgen: So gibt es nicht nur mehrere gleichnamige Ortschaften, sondern auch zwei oder mehr gleichnamige Bäche: Drei burgenländische Bäche heißen Limbach, zwei heißen Zickenbach. In der Botanik sind die Homonyme durch Nomenklaturregeln entfernt worden, in der Toponymie sorgen oft nicht einmal Beifügungen für Klarheit. So gibt es zwar eine Ortschaft, die mit vollem Namen Eisenberg an der Pinka heißt, außerdem aber noch zwei weitere, die bloß Eisenberg heißen (eine in der Gemeinde Olbendorf bei Litzelsdorf und eine bei Jennersdorf, letztere, Teil von St. Martin an der Raab, gelegentlich auch mit dem Epitheton „an der Raab“). Das für die Botaniker wichtigste „Eisenberg“ ist aber der Eisenberg (siehe ÖK), nämlich ein Berg bei Eisenberg an der Pinka. – Den von den Botanikern als „Tafelberg“ zitierten Berg, gleichbedeutend für das ganze Jennersdorfer Bergland (bei uns Landschaft Nr. 24) verwendet, gibt es auf den Landkarten überhaupt nicht, sondern nur an dessen Fuß den Jennersdorfer Ortsteil „Am Tafelberg“.

Etliche für Naturkunde und Naturschutz wichtige Lokalitäten, z. B. auch Naturschutzgebiete, auch solche, die in amtlichen Naturschutzgesetzen etc. ohne nähere Erklärung erwähnt werden, haben Toponyme, die von den Kartographen ignoriert werden: „Mattersburger Kogel“ [ÖK: Kogelberg], „Gruibert“ [ÖK: Gruibertsiedlung], „Kaltstuiberer“ (ein Vorberg des Marzer Kogels), „Karmazik“ (Bewahrungszone Podersdorf – Karmazik) [ÖK], „Lug“ (siehe NSG Bachaue Lug) [ÖK], „Dolnji Trink“ (siehe Natur- und Landschaftsschutzgebiet Dolnji Trink) [ÖK], „Bubanj“ (siehe NSG Bubanj) [ÖK], „Legerilacke“ zwischen Podersdorf am See und den Zitzmannsdorfer Wiesen [ÖK]  (Glücklicherweise gibt es Google!) – Natürlich machen auch Synonyme Naturforschern, Naturwanderern und Landkartenlesern das Leben schwer, darunter auch orthographische, wie z. B. „Thenau“ (siehe NSG Thenau) und „Tennau“ oder „Tenauriegel“ [ÖK] und das Nickelsdorfer „Heidl“ [ÖK], das die Naturschützer (rechtschreibwidrig) „Haidel“ (siehe NSG Haidel) schreiben (obwohl es natürlich in Wirklichkeit „Hoadl“ heißt).

 

Kurzbeschreibung der burgenländischen Landschaften

mit besonderer Berücksichtigung der Schutzgebiete und der botanisch bemerkenswerten Gebiete

„Am Bett der Raab, am Heiderand …“, so beginnt der Refrain der ersten Strophe der burgenländischen Landeshymne. Damit soll ausgedrückt werden, dass sich das „teure Burgenland“ von Süden, also dem Raabtal, bis in den Norden, zum Leithaboden (dem ehemaligen Heideboden) erstreckt. Geografisch richtiger müsste man singen: „Vom Neuhauser Hügelland bis zum Rand der Hainburger Berge …“, aber das klingt bei weitem nicht so schön.

Im Folgenden werden nun die Landschaften kurz beschrieben, wobei der Schwerpunkt auf den Naturschutzgebieten und schützenswerten Biotopen liegt. Auch einige charakteristische Arten werden dabei erwähnt, sodass dieser Überblick über die Landschaften zugleich auch Freundinnen und Freunden der Wildflora als ganz grober Führer dienen kann. Genaueres findet sich in den Kapiteln „Wanderungen“ und „Schutzgebiete“.

 

Nord-Burgenland

(1) Hanság (Waasen)

Der Hanság (oft auch „Waasen“ genannt), südöstlich an den Seewinkel anschließend, überschreitet die Grenze nach Ungarn. Beginnend südlich von Tadten und Andau im Seewinkel, erstreckt er sich über den die Staatsgrenze bildenden Einserkanal weit nach Ungarn. Das Land ist völlig flach, 116–121 msm, am Westrand liegen die Ortschaften Wallern i. Bgld. und Pamhagen. Heute völlig waldlos und fast ausschließlich Ackerland, das ein kleines Naturschutzgebiet (Bewahrungszone Waasen – Hanság, ein Teil des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel) umfasst, das aus Resten der einstmals hier großflächig vorhandenen Niedermoorwiesen (hauptsächlich Pfeifengraswiesen) besteht und hauptsächlich dem Schutz der Großtrappe / Otis tarda und anderer Vogelarten dient.

Hier hat sich vor rund 13 000 Jahren der „Urahn“ des Neusiedler Sees gebildet, später sank das heutige Seebecken ein und der Hanság blieb als Niedermoor zurück. In niederschlagsreichen Jahren oft überschwemmt (dann eben ein Teil des großen Sees), in trockenen Zeiten landwirtschaftlich genutzt, wurde das sumpfige Land großflächig erst dann nutzbar, als man Kanäle grub und es so nach und nach trockenlegte (beginnend ab dem 17. Jahrhundert). Torfstiche und anschließende Bepflanzung mit Pappeln veränderten die Landschaft sehr, Ackerbau hielt allmählich Einzug. Naturnahe Erlen-Bruchwälder – für die der Hanság einst berühmt war –, aber auch Feuchtwiesen und Weiderasen gibt es heute nur noch in winzigen Resten.

Bemerkenswerte und seltene Pflanzenarten sind: Betula pubescens / Moor-Birke, Senecio doria / Gold-Greiskraut und Cardamine parviflora / Kleinblüten-Schaumkraut.

Literatur: historisch: Kornhuber 1885; aktuell: Dillinger 2012, Takács 2013.

 

(2) Seewinkel und Neusiedler See

Betrachtet man die heutige Ausdehnung des Neusiedler Sees, so fällt eine Nord-Süd-Streckung ins Auge. Vor 250 Jahren hatte der Bereich des Hanság noch zum See gehört, dieser wies damals somit eine L-Form auf und bildete daher einen Winkel, der eine Landschaft beherbergte, die eben und trocken war und ein wohl exotisch anmutendes Mosaik aus größeren und kleineren Lacken, Hutweiden, Wiesen, Sumpfwiesen und Salzlebensräumen umfasste. Heute fehlt der west-östlich gerichtete Seeteil – er war zum Niedermoorgebiet des Hanság geworden –, der Name „Seewinkel“ ist aber geblieben; und auch der nationalparkwürdige Charakter weiter Abschnitte dieses naturschutzfachlich äußerst wertvollen Landstrichs, in dem beträchtliche Teile des Nationalparks liegen.

Der flache Seewinkel liegt 114 msm (tiefster Punkt Österreichs 2 km südöstlich von Apetlon) bis 125 msm hoch; der Spiegel des Neusiedler Sees auf 116 msm.

Vegetationskundlich bemerkenswert sind die sehr unterschiedlichen Halophytenfluren: Salzsteppen und Salzwiesen. Die entscheidenden Standortsfaktoren (Ökofaktoren) sind Salzgehalt, Feuchtigkeit (trocken bis nass), Bodenart (kiesig bis tonig), jahreszeitliche Dynamik des Wasserstands. Auch die Zusammensetzung der Salze ist nicht ganz unwichtig, generell überwiegt Natriumkarbonat (Soda). Wichtig ist, ob die salzreichste Bodenschicht an der Oberfläche liegt („Solontschak“) oder etwas darunter („Solonetz“). Kleine Lacken trocknen öfter aus und sind daher salzreicher, größere (z. B. der Neusiedler See) fallen selten trocken und haben nur geringen Salzgehalt.

 

Die auffallendsten Vegetationstypen sind

● mäßig salzige Trockenrasen (Salzschwingelsteppen mit Festuca pulchra / Salz-Schwingel: Festucion pseudovinae), die mit

● (fast) salzfreien („glykischen“) Trockenrasen (z. B. mit Ononis spinosa / Dorn-Hauhechel, Silene multiflora / Vielblüten-Leimkraut) stellenweise eng verzahnt sind;

● Salzsteppen auf Solonetz (Salzwermutsteppe, Artemisia santonicum / Salz-Wermut),

● salzwüstenartige Stellen mit Salzausblühung, wo nur einige wenige extrem salzresistente Arten existieren können (Solontschak: Lepidium cartilagineum / Salz-Kresse, Suaeda pannonica / Groß-Salzmelde),

● Röhrichtsäume der Salzlacken (Knollenbinsen-Gesellschaft Cirsio brachycephali-Bolboschoenion),

● Salzrasenzonierung im Randbereich der Salzlacken mit Salzschwadenrasen (Puccinellion limosae mit Puccinellia peisonis / Neusiedlersee-Salzschwaden, Tripolium pannonicum / Salzaster),

● die Böden trockengefallener Salzlacken mit Salzpionierfluren (Cypero-Spergularion salinae, mit Crypsis aculeata / Dorngras und Chenopodium chenopodioides / Dickblatt-Gänsefuß oder Cyperus pannonicus / Pannonien-Zypergras, Spergularia marina / Salz-Schuppenmiere),

● Salzfeuchtwiesen und Salzsumpfwiesen (Juncion gerardii mit Juncus gerardii / Salz-Simse, Taraxacum bessarabicum / Salz-Löwenzahn, Carex distans / Lücken-Segge).

 

Etliche Arten, naturgemäß die Halophyten, sind im Burgenland (die meisten in ganz Österreich) ausschließlich im Seewinkel vorhanden, als Beispiel dient das Verbreitungsbild von
Lepidium cartilagineum / Salz-Kresse (Verbreitungskarte 10);

Ähnliches gilt für
Puccinellia peisonis / Zickgras, für
Artemisia santonicum / Salz[steppen]-Wermut
und für die beiden Suaeda-Arten
Suaeda pannonica / Groß-Salzmelde und
Suaeda prostrata / Klein-Salzmelde, weiters für
Salicornia prostrata / Glasschmalz,
Camphorosma annua / Einjahrs-Kampferkraut,
Atriplex intracontinentalis (A. littoralis subsp. intracontinentalis) / Binnenland-Strand-Melde,
Juncus maritimus / Strand-Simse,
Crypsis aculeata / Dorngras,
Cyperus pannonicus / Salz-Zypergras

Die Zahl der Salzlacken (Sodalacken) ist im Zuge der Nutzbarmachung des Landes für die Landwirtschaft stark zurückgegangen. Aber auch die wenigen heute noch vorhandenen Salzlacken – Kernstück des Nationalparks – sind sehr gefährdet. Infolge des sinkenden Grundwasserspiegels ist deren Existenz und damit die der Halophytenvegetation bedroht. Literatur dazu: Krachler & al. (2012). – Literatur über die Halophyten: Albert (2010, 2013 a, b).

Außer solchen botanisch besonders bemerkenswerten ± halophytischen Vegetationstypen gibt es jedoch auch ausgedehnte Feuchtwiesen,
insbesondere im Bereich der Zitzmannsdorfer Wiesen zwischen Weiden am See und Podersdorf: Pfeifengras-Streu(e)wiesen (Molinion) und Dotterblumen-Wiesen (Calthion), in denen etliche floristische Raritäten, wie die vom Aussterben bedrohte Artemisia laciniata / Schlitzblatt-Wermut anzutreffen sind.

Literatur über die Vegetation der Zitzmannsdorfer Wiesen: Köllner (2012); Fischer (2013).

 

Auch verschiedene pannonische Halbtrockenrasen (Cirsio-Brachypodion) und pannonische Rasensteppen (Festucion valesiacae) sind im Seewinkel stellenweise vorhanden. Sie werden durch Beweidungsmanagement erhalten (vgl. z. B. Korner 2013 a, b).

Dennoch ist, quantitativ betrachtet, der Seewinkel von Kulturland, und zwar überwiegend von Weingärten beherrscht: Caucalidion lappulae (Klatschmohnäcker, Wintergetreideäcker), Polygono-Chenopodion polyspermi (Hackfruchtäcker). Selbstverständlich sind auch verschiedene xerotherme Ruderalfluren vorhanden (Eragrostion, Sisymbrion officinalis).

Bemerkenswerte floristische Raritäten im Segetal- und Ruderalbereich sind etwa Myagrum perfoliatum / Hohldotter, Hibiscus trionum / Stunden-Eibisch, Malva pusilla / Kleinblüten-Malve.

 

Weite Bereiche des Seewinkels sind Teil des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel.

Literatur über das Gebiet des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel: Fally & Kárpáti (2013), Fally in Fally (2010, 2013), Koller (2013).

 

Natürlich ist auch der Neusiedler See mit dem ihn umgebenden Schilfgürtel – seine südlichen Teilgebiete bilden die Naturzonen des Nationalparks – eine eigene Landschaft, und in naturkundlicher Hinsicht sogar eine ganz wichtige. Pflanzengesellschaften der offenen Wasserflächen mit ± submers wachsenden Arten (Stratiotion und Utricularion vulgaris) und vor allem ausgedehnte Bestände von Röhrichtgesellschaften (Phragmiti-Magnicaricetea) des besonders am Westufer mächtig entwickelten und für den Neusiedler See sehr bezeichnenden Schilfgürtels, dessen größte Ausdehnung im Bereich der Wulkamündung (KG Donnerskirchen) liegt. – Literatur: Ranner & Albert (2010).

 

Am Ostrand von Illmitz liegt das kleine Naturschutzgebiet Pfarrwiesen Illmitz, eine stark verlandete Salzlacke mit Röhricht aus hauptsächlich Cladium mariscus / Schneideried und Samolus valerandi / Salzbunge am Ufer.

 

(3) Parndorfer Platte, (südlicher) Heideboden und Brucker Pforte

Die Parndorfer Platte ist für burgenländische Verhältnisse relativ groß, rund 220 km2. Sie erstreckt sich nordöstlich des Neusiedler Sees und fällt zum Seebecken hin mit einem Steilhang entlang der Linie Neusiedl – Gols – Halbturn ca. 30 Meter steil ab. Über der von der Donau vor Jahrmillionen aufgeschütteten Schotterterrasse (heute gibt es hier viele Schottergruben) hat sich fruchtbarer Ackerboden ausgebildet, auf dem vor allem Getreide angebaut wird. Diese „Agrarwüste“ wird seit 1994 von der Ostautobahn (A4) zerschnitten, und sechs breite „Grünbrücken“ versuchen, der vor allem für die Tierwelt verhängnisvollen Landschaftszerstückelung entgegenzuwirken, indem sie den Nord- mit dem Südteil verbinden. Autobahnzubringer, Hochspannungsleitungen und mittlerweile mehr als 300 Windräder haben sich wahrlich nicht gerade positiv auf Erscheinungsbild und Ökosystem des Raumes ausgewirkt.

Nichtsdestotrotz ist diese Landschaft an manchen Stellen – Wäldchen, Feldgehölzstreifen, Trockenrasenfragmente – noch nicht ganz verarmt an interessanten Tier- und Pflanzenarten. Den Naturfreunden und Botanikern bekannt sind insbesondere der Zurndorfer Eichenwald und die nordöstlich anschließende Hutweide. Der Zurndorfer Eichenwald ist von G. Wendelberger (1955) untersucht und als letzter Rest naturnaher pannonischer Waldvegetation geschätzt worden, obwohl damals schon die Zerstörung durch zu intensive Jagdwirtschaft drohte. Seine Warnung blieb ungehört, der Naturschutz konnte sich gegenüber den Jagdinteressen nicht durchsetzen. Heute sind kaum noch Spuren des naturnahen Charakters zu sehen (Koó 1994, Weiss 2013).

Nicht ganz so schlimm bestellt ist es mit der Zurndorfer Hutweide (Naturschutzgebiet, Europaschutzgebiet) am Ostrand des Zurndorfer Eichenwaldes und in einem schmalen Streifen bis zur Ostbahn reichend. Sie besteht im Wesentlichen aus ± acidophilen Trockenrasen mit Achillea nobilis / Edel-Schafgarbe und Veronica verna / Frühlings-Ehrenpreis sowie zahlreichen weiteren Steppenpflanzen, auf den Störstellen u. a. Salvia aethiopis / Ungarn-Salbei.

Das Naturschutzgebiet Parndorfer Heide liegt am nordöstlichen Ortsrand von Parndorf / Pandrof, besteht großteils aus Pannonischer Rasensteppe (Festucion valesiacae) und ist hauptsächlich dem Schutz des Ziesels / Spermophilus citellus gewidmet.

 

Auf der Parndorfer Platte liegen noch zwei weitere wichtige Naturschutzgebiete:

Das NSG Nickelsdorfer Heidl („Haidel“) knapp NNW von Nickelsdorf mit Trockenrasen großteils über Silikatschotter und floristischen Raritäten wie Artemisia pancicii / Waldsteppen-Beifuß und Arenaria procera / Grasblatt-Sandkraut.

Das NSG Mönchhofer Hutweide ist eine kleine verbuschte ehemalige Sandgrube mit kleinflächigen Trockenrasen, die einige floristische Kostbarkeiten aufweisen:

Seseli pallasii / Bunt-Sesel,
Artemisia pancicii / Waldsteppen-Beifuß,
Salvia austriaca / Österreich-Salbei, und
● die hauptsächliche Schutzzielart Prunus tenella / Zwerg-Mandel.

 

Ein Seitenblick zur Tierwelt: Generell kann auch die Vogelwelt der Parndorfer Platte (trotz der vielen Windräder noch) mit einigen „Juwelen“ aufwarten: Großtrappe / Otis tarda, Kaiseradler / Aquila heliaca, Seeadler / Haliaeetus albicilla, Rotfußfalke / Falco vespertinus, Wiesenweihe / Circus pygargus und Sumpfohreule / Asio flammeus, um nur einige zu nennen.

 

Nicht unerwähnt bleiben dürfen die Trockenrasen im Bereich von Neusiedl am See:

● auf dem Tabor (Xeranthemum annuum / Spreublume, Lösssteppe mit Taraxacum serotinum / Löss-Löwenzahn),

● auf dem Kalvarienberg (Astragalus vesicarius / Blasen-Tragant, Artemisia pancicii / Waldsteppen-Beifuß) und

● im Teichtal nordöstlich der Stadt gegen die Lehmgstetten: Trockenrasenfragmente mit Artemisia pancicii / Waldsteppen- Beifuß, Phlomis tuberosa / Knollen-Brandkraut und Arenaria procera / Grasblatt-Sandkraut.

 

Die Brucker Pforte

Eine Pforte ist eine Art großes Tor, in der Geografie meint man damit meist relativ leicht passierbare, mehr oder weniger weite Öffnungen, etwa zwischen Gebirgszügen. Zwischen dem Leithagebirge und dem Hundsheimer Berg in Niederösterreich tut sich eine relativ breite Niederung auf, benannt nach der Bezirksstadt Bruck an der Leitha, eben die Brucker Pforte. Die Leitha fließt hier – begleitet von Auwäldern –, Ostbahn und Ostautobahn queren die Landesgrenze, und der Wind pfeift zwischen den Gebirgen durch wie durch ein großes Nadelöhr: Die Windräder stehen nicht von ungefähr bei Bruck und vor allem auf der Parndorfer Platte.

Naturschutzgebiet Batthyanyfeld unmittelbar östlich Bruckneudorf: Ehemaliges Absetzbecken der Zuckerfabrik Bruck a. d. Leitha zwischen dem alten Leitha-Flusslauf (wurde verfüllt und ist heute Ackerland bzw. Leitha-Hochwasserentlastungskanal) und der regulierten Leitha. Brennnessel-Schilf-Flur, Schwarzholunder-Gebüsch, Fettwiesen, Silber-Weiden und Eschen-Ahorne. Hauptsächlich zoologisches Schutzgebiet. (Weiss & al. 2013.)

 

Der (südliche) Heideboden

Achtung! Der Name „Heideboden“ ist im Burgenland zweifach vergeben: Auf den allermeisten Landkarten wird sehr oft der Leithaboden (4) so bezeichnet, siehe unten.

Der Heideboden im hier verstandenen Sinn der Vereinigung Burgenländischer Geographen (Straßenatlas [2003], Freytag-Berndt & Artaria) umfasst auf burgenländischem Gebiet nur noch den Abschnitt – einen schmalen Saum – südlich von Halbturn und östlich von Frauenkirchen, südwärts entlang der ungarischen Grenze bis gegen Tadten und Andau, also östlich des Seewinkels (2).

Der von der Vereinigung Burgenländischer Geographen verkleinert neu definierte Heideboden und der Leithaboden haben viel gemeinsam: Sie sind klimatisch pannonisch getönt, stark ackerbaulich genutzt, aber trotzdem finden sich noch naturschutzfachlich interessante Restflächen (Wiesen, Brachen, Windschutzstreifen, kleine Wäldchen). Naturschutzfachlich wertvoller ist zweifelsohne der Leithaboden (4).

 

(4) Leithaboden (= nördlicher Heideboden)

Diese grenzüberschreitende tiefliegende Terrasse (etwa 120 bis 140 msm) zwischen der Donau im Osten, den Hainburger Bergen im Norden (siehe unter 5), der höher (auf ca. 180 msm) liegenden Prellenkirchner Terrasse auf niederösterreichischem Gebiet im Westen und der Parndorfer Platte (siehe unter 3) im Süden, somit zwischen den Ortschaften Kittsee im Norden, Gattendorf im Westen, Nickelsdorf im Süden und Deutsch Jahrndorf und der slowakischen und der ungarischen Grenze im Osten, durchflossen von der Leitha, wird oder wurde auch „Heideboden“ oder „Heidboden“ genannt oder ist dessen nördlicher Teil. Spätestens seit dem Vorschlag der Vereinigung Burgenländischer Geographen (Straßenkarte [2003], Verlag Freytag-Berndt und Artaria, Wien), eine einheitliche Sprachregelung im Hinblick auf die burgenländischen Landschaften anzustreben, wird nämlich dieser größere nördliche Teil des Heidebodens „Leithaboden“ genannt.

Wenn Flüsse oder Bäche nicht in enge Täler gezwängt sind, sondern auf breiten, ebenen Aufschüttungen fließen, spricht man gern von einem „Boden“. Auf den Leithaboden (manchmal auch als „Leithaniederung“ bezeichnet) trifft dies zu. Inmitten der landwirtschaftlichen Flächen sind vor allem an der Leitha und der Kleinen Leitha, aber auch entlang der Kanäle Uferbegleitgehölze, ausgedehnte Wiesen (die regelmäßig überschwemmt werden) und, zwischen Zurndorf und der Staatsgrenze, zwei Auwaldflächen – Aspenwald und Söllnerwald – bis heute erhalten geblieben.

Botanisch bemerkenswert sind unter anderem die Vorkommen von Leucojum aestivum / Sommer-Knotenblume im Aubereich der Kleinen Leitha, und berühmt sind die Leithaauen bei Zurndorf wegen der Quirleschen-Bestände (Fraxinus angustifolia) und des einzigen österreichischen Vorkommens des Acer tataricum / Tataren-Ahorns. – Erwähnenswert ist auch der renaturierte Teil der Leitha-Au unmittelbar östlich von Zurndorf mit interessanten Feuchtwiesen. Bemerkenswerte Arten sind hier u. a. Senecio doria / Gold-Greiskraut und Senecio sarracenicus / Fluss-Greiskraut sowie ein isoliertes Vorkommen von Succisella inflexa / Sumpfabbiss (Verbreitungskarte 33).

Bezüglich der Lusswiesen („Lußwiesen“), „Rohrluß“ in der Gemeinde Gattendorf und der „Mitterluß“ in der Gemeinde Zurndorf siehe Roth & Weiss in Michalek (2012).

Ein zoologischer Seitenblick: Kampfläufer / Philomachus pugnax, Doppelschnepfen / Gallinago media und Bruchwasserläufer / Tringa glareola ziehen hier durch, der Große Brachvogel / Numenius arquata, das scheue Tüpfelsumpfhuhn / Porzana porzana, die Bekassine / Gallinago gallinago und die Uferschnepfe / Limosa limosa brüten auf den feuchten Wiesen, der Schwarzstorch / Ciconia nigra brütet (?) in den Auwäldern. – Die ausgedehnten Ackerflächen und Brachen beherbergen eines der bedeutendsten Vorkommen der Großtrappe / Otis tarda in Österreich und sind Nahrungsraum des Kaiseradlers / Aquila heliaca.

Ein wichtiges burgenländisches Vogel- bzw. Europaschutzgebiet, ein „SPA“ (Special Protection Area) heißt „Parndorfer Platte – Heideboden“. Hier ist mit „Heideboden“ der Leithaboden gemeint.

 

(5) Winziger Anteil an den Hainburger Bergen: Spitzerberg

Die eigenartige burgenländische „Halbinsel“, auf der Edelstal liegt, gehört geografisch zum Fuß der Hainburger Berge. Südwestlich des Dorfes reicht der Ostteil des Spitzer Berges ins Burgenland (mit dem 288 m hohen Ostgipfel). Hier liegt in einer Saumgesellschaft einer der sehr wenigen Fundpunkte der Artemisia pancicii / des Waldsteppen-Beifußes. Nordöstlich liegt der Hindler-Berg mit – allerdings auf niederösterreichischem Gebiet – interessanten pannonischen Silikattrockenrasen.

 

(6) Leithagebirge mit den südlichen Vorhügeln

Umgangssprachlich auch „Leithaberg“ genannt, liegt dieser Gebirgszug, auf dem zum Teil die Grenze zwischen Niederösterreich und dem Burgenland verläuft, zwischen Wiener Neustädter und Brucker Pforte. Immerhin 35 km lang, bis zu 7 km breit und maximal 484 m hoch (Sonnenberg, bei Hornstein) zieht der Höhenrücken von Südwest nach Nordost. Als östlichster Ausläufer der Zentralalpen (wie übrigens alle burgenländischen Gebirge) besteht er im Kern aus alten Gneis- und Glimmerschiefern. Aus der Zeit des viel jüngeren tertiären Randmeeres stammt der hauptsächlich in den Randbereichen abgelagerte geologisch junge Kalkstein bzw. Kalksandstein („Leithakalk“). Dieser wird schon seit der Römerzeit an vielen Stellen abgebaut und als Baumaterial verwendet.

Ausgedehnte Eichen-Hainbuchen-Wälder (Fagetalia sylvaticae; hauptsächlich Carpinion betuli und Luzulo-Fagion) bilden die ursprüngliche Vegetation. Bemerkenswert sind auch Flaumeichenwälder (Quercion pubescenti-petraeae), stellenweise mit Fraxinus ornus / Blumen-Esche, die die Frage offen lassen, ob diese südliche Baumart hier bloß so „erfolgreich“ aus Aufforstungen verwildert ist, dass sie sich in den Flaumeichenwald bestens einfügt oder ob sie nicht doch autochthon ist. Bei Hornstein wächst die Blumen-Esche auf ausgesprochen bodensaurem Untergrund. Ein bemerkenswerter floristischer Fremdling in den Wäldern des Leithagebirges ist Doronicum pardalianches / die Kriech-Gämswurz oder Schwindelwurz, eine alte Zier- und Arzneipflanze, die sich in manchen Waldstücken perfekt eingenischt hat und hier erst im Jahr 1959 von dem burgenländischen Botaniker Gottfried Traxler entdeckt worden ist.

Die Hänge auf burgenländischer Seite, im südöstlichen Randbereich des Leithagebirges mit den Vorhügeln, tragen Weingärten, oftmals durchsetzt mit unzähligen Kirschbäumen, die den Landstrich im April in ein weißes Blütenmeer verwandeln. Es handelt sich hier eigentlich um eine eigenständige Landschaft: Stellenweise sind Fels- und Rasensteppen über Leithakalk ausgebildet, die aus naturkundlicher Sicht echte floristische Juwele darstellen. Dieser gesamte, aus Kulturland und Trockenrasen bestehende südöstliche Abhang des Leithagebirges ist heute als Naturpark vor größeren Verschlechterungen geschützt. Naturkundlich wertvoll sind vor allem die ehemaligen Gemeindeweiden der einzelnen Dörfer am Fuß des Leithagebirges: die drei kleinen „Geschützten Lebensräume“ Weißes Kreuz oberhalb Großhöflein, Hetscherlberg und Rochuskapelle nördlich von St. Georgen am Leithagebirge, weiters der Kirchberg unmittelbar oberhalb der Kirche von Donnerskirchen sowie insbesondere die beiden noch ziemlich großflächigen Gebiete Purbacher Heide (Ried „Rosenberg“) oberhalb von Purbach am Neusiedler See und der Thenauriegel bei Breitenbrunn am Neusiedler See (siehe unter „Wanderungen“!), wo artenreiche pannonische Trockenrasen mit zahlreichen Besonderheiten und insbesondere einem prächtigen Vorfrühlings-Blühaspekt vorhanden sind.

Die östlichsten dieser Hügel nahe dem Neusiedler See sind der Kirchberg von Winden mit leider nur noch winzigen Resten basiphiler Trockenrasen (jedoch einem Vorkommen der seltenen Onosma arenaria / Sand-Lotwurz) und vor allem Hackelsberg und Jungerberg (= Tannenberg) zwischen Winden und Jois. Die beiden zuletzt genannten zeichnen sich durch silikatischen Gesteinsuntergrund aus (der Kern des Leithagebirges tritt hier zutage), tragen dementsprechend die bei uns sehr seltenen bodensauren Trockenrasen und sind wegen der vielen floristischen und auch faunistischen Besonderheiten weit über das Land hinaus berühmte Naturschutzgebiete. Mit Rosa zalana / Zala-Rose  (die im Zuge der Entbuschungsmaßnahmen leider immer wieder niedergemetzelt wird), Campanula rapunculus / Rapunzel-Glockenblume  und Phelipanche caesia / Blaugrau-Blauwürger seien nur drei der vielen botanischen Kostbarkeiten genannt.

Erwähnenswerte Biotope sind das Gruibert (Trockenrasen und -gebüsche), die Bärenhöhle und das Ludlloch sowie die Halbtrockenrasen im Windener Tal und Trockenrasen auf dem Königsberg nördlich von Winden. Auch im ausgedehnten Truppenübungsplatz Bruckneudorf gibt es botanisch reiche Rasengesellschaften und Waldstücke, insbesondere auf dem Zeilerberg und dem Schieferberg; floristisch berühmt ist z. B. der Poligraben. Nicht zuletzt ist die Straßenböschung beim „Mautwirt“ zwischen Neusiedl am See und Jois mit der überaus seltenen Ceratocephala orthoceras / Gerad-Hornköpfchen zu nennen.

 

(7) Nordwestliches Vorland des Leithagebirges, Wulkabecken und Wiener Neustädter Pforte

Zum Burgenland gehört auch ein Südzipfel des Wiener Beckens, nämlich nördlich des Leithagebirgs-Hauptgipfels Sonnenberg bis zur die Landesgrenze gegen Niederösterreich bildenden Leitha im Bereich der Gemeinden Stotzing, Loretto und Leithaprodersdorf. Hier liegt das wichtige Naturschutzgebiet Frauenwiesen und an den benachbarten Nordhängen des Leithagebirges finden sich noch vereinzelt Trockenwiesen, insbesondere der Geschützte Lebensraum Stotzinger Heide.

Die Wiener Neustädter Pforte

Das Wiener Becken und das Steinfeld (um Wiener Neustadt) liegen westlich von Leithagebirge und Rosaliengebirge, das Wulkabecken östlich davon. Eine rund 13 km breite Senke zwischen den zwei Gebirgen verbindet die beiden Beckenlandschaften. Im Jahr 1194 hat das mittelalterliche Österreich an dieser strategisch günstigen Stelle Wiener Neustadt gegründet, als militärisch bedeutsamen Vorposten gegen die damals sehr kriegerischen Ungarn. Die Landschaft, gezeichnet vom ehemaligen Kohlenbergbau, umfasst neben Ackerland und Weingärten auch einige bemerkenswerte Trockenwiesen.

Im Bereich der Wiener Neustädter Pforte, 2 km nordwestlich von Hornstein / Vorištan liegen die beiden Naturschutzgebiete Bubanj und Zylinderteich. Kleinflächige Reste pannonischer Trockenrasen und Gebüsche mit Zwerg-Weichsel / Prunus fruticosa, Rückzugsgebiete für Pflanzen und Tiere, charakterisieren Bubanj. Der Zylinderteich ist ein ehemaliger künstlicher Weiher und diente als Viehtränke und Eisteich, heute ein insbesondere für die Tierwelt wichtiger letzter Feuchtbiotop am Westrand des Leithagebirges.

Wulkabecken

Die Wulka entspringt im Rosaliengebirge, fließt durch die relativ breite Wulkaebene, im Nordwesten gesäumt vom Leithagebirge, östlich flankiert vom Ruster Hügelland, bei Donnerskirchen mündet sie als einziger nennenswerter Zufluss in den Neusiedler See und bildet dort das bemerkenswerte Wulka-Delta mit einem Silberweiden-Auwald (Salicion albae).

Zwischen Eisenstadt und Oslip/Uzlop (östlich davon) liegt das NSG Fronwiesen und Kuhlacke, es handelt sich um Trockenwiesen und auch relativ artenreiche Fettwiesen sowie kleine Feuchtwiesenflächen und ein Großseggen-Ried um eine kleine Wasserfläche.

Die Beckenlandschaft wird landwirtschaftlich genutzt (Getreide, Zuckerrüben, Obst, Wein). Bemerkenswert sind einige naturnahe Wälder, vor allem um Klingenbach / Klimpuh.

Das wichtigste und bei Naturfreunden auch weithin bekannteste Naturschutzgebiet am Südrand des Wulkabeckens ist die Siegendorfer Sandpuszta. Sie ist berühmt nicht nur wegen botanischer Raritäten wie Astragalus exscapus / Erd-Tragant  und Onosma arenaria / Sand-Lotwurz, sondern auch wegen etlicher Orchideen und insbesondere wegen der im Erstfrühling blühenden Bestände der Daphne cneorum / des Flaum-Steinröserls.

Die nördlich unterhalb des Hügelgebiets anschließende feuchte Ebene der Sulzbreiten bietet Reste von Feuchtwiesenvegetation, diese ist aber durch großflächige Entwässerungsmaßnahmen längst weitgehend zerstört und stark ruderalisiert. Trotzdem findet man noch einzelne botanische Raritäten wie z. B. Anacamptis (Orchis) palustris / Sumpf-Hundswurz (Sumpf-Knabenkraut). Die Sulzbreiten waren einstmals ein flacher See (bezeugt von der Dritten Franziszeischen Landesaufnahme 1872), der westlichste Steppensee Europas! Er wurde im Zuge von Entwässerungsmaßnahmen um die Jahrhundertwende (19./20. Jh.) in den Nodbach „ausgelassen“. Zufolge Roth in Michalek & al. (2012) gibt es auch noch ganz wenige Salzzeiger als spärliche Reste dieses einstigen „Sulzsees“: Plantago maritima / Salz-Wegerich, Juncus gerardii / Salz-Simse, Scorzonera parviflora / Salz-Schwarzwurz, Cirsium brachycephalum / Kurzkopf-Kratzdistel.

Gänzlich fehlende naturschutzfachliche Betreuung hat zur Zerstörung des knapp 2 km ostsüdöstlich liegenden Naturschutzgebiets Siegendorfer Heide am Rand des Waldgebietes „Ober dem See“ geführt: Hier lässt sich eindrucksvoll ablesen, wie sich eine Wacholderheide, deren Erhaltung das seinerzeitige Schutzziel war, innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem dichten Eichenwald aus reichlich Zerr-Eichen und mit vereinzelten Wacholderbäumen entwickelt hat. Wie unverzichtbar naturschutzfachliche Managementmaßnahmen sind, ist hier augenfällig, denn eine derartige Vegetationssukzession droht fast allen Steppenrasenschutzgebieten. Von der einstigen Heide künden nur vereinzelte Pflanzen am Wegrand wie Veronica spicata / Heide-Ehrenpreis und der seltene Chrysopogon gryllus / Grillen-Goldbart.

 

(8) Ruster Hügelland

Von Schützen am Gebirge zieht die flache, meist mit Weingärten bestockte Hügelkette nach Süden über die ungarische Grenze bis Fertőrákos / Kroisbach – 3 km breit, 12 km lang, im Osten zum See hin sanft abfallend. Inmitten der Weinberge, dem eigentlichen Hügelland nördlich vorgelagert, ragt eine kleine Leithakalk-Felsengruppe aus den umgebenden Trockenrasen: der Geschützte Lebensraum Hölzlstein.

Die höchste Erhebung erreicht die Hügelkette mit dem Goldberg (Naturschutzgebiet; Vorkommen des sehr seltenen Geranium rotundifolium / Rundblatt-Storchschnabel) bei Oggau, gerade einmal 224 msm. Vom kristallinen Grundgebirge ist wenig zu bemerken, aber der oberflächliche Überzug mit tertiären Kalken ist recht bekannt (z. B. Steinbrüche bei St. Margarethen und Fertőrákos; Otto- und Ferenc-Höhlen im Dudleswald auf ungarischem Gebiet). Auf Kalk anstehende Trockenrasen und Flaumeichen-Buschwäldchen bilden Überlebensinseln für wärmeliebende Tiere und Pflanzen. Schöne Trockenrasen erstrecken sich nördlich des „Römersteinbruchs“ gegen die Kogelkapelle zu und außerdem unmittelbar südlich der Straße nach Rust auf dem St.-Margarethen-Berg (Ried „Geisrücken“).

 

(9) Rosaliengebirge

Südlich der Wiener Neustädter Pforte bildet das Rosaliengebirge die Grenze zu Niederösterreich. Geologisch ist es noch Teil der „Buckligen Welt“: silikatische kristalline Gesteine: Glimmerschiefer und Gneise. Höchste Erhebung ist der Heuberg (mit der Rosalienkapelle) mit 748 msm, auf dem auch der ORF-Sendeturm gleichen Namens steht. Große Teile sind bewaldet: großteils submontane bis untermontane bodensaure Laubwälder (Agrostio-Quercion, Luzulo-Fagion), in höheren Lagen naturnahe Buchenwälder (Fagion sylvaticae) mit Tanne, die allerdings stark im Rückgang begriffen ist. An deren Stelle herrschen heute hauptsächlich Fichtenforste; auf bodentrockenen Felsrücken auch bodensaure Rotföhren-Wälder (Dicrano-Pinion sylvestris).

An den Flanken gibt es Obst- und Weinbau, insbesondere auch Edelkastanien. Auf einem steilen Kalkfelsen thront die spätmittelalterliche Burg Forchtenstein. Einzigartig für das Burgenland ist das kleinflächige, zufolge Prof. G. Wendelberger (Sauerzopf 1984, Koó 1994) jedoch unzweifelhaft natürliche Vorkommen der Pinus nigra / Schwarz-Föhre auf Karbonatfelsen in Forchtenstein, mit einem Unterwuchs (z. B. Sorbus aria / Mehlbeere, Sesleria caerulea / Kalk-Blaugras, Pulsatilla grandis / Groß-Küchenschelle, Leontodon incanus / Grau-Leuenzahn, Anthericum ramosum / Rispen-Graslilie, Globularia cordifolia / Herz-Kugelblume), der für den autochthonen Charakter dieses Waldbiotops spricht.

Im Südteil des Rosaliengebirges, nahe dem Sieggrabner Kogel, befinden sich arten- und blütenreiche Feucht- und Magerwiesen, die zu den schönsten Wiesengesellschaften des Burgenlandes zählen (Koó 1994: 85); Reste (Riede Stättriegel und Hampter, Gemeindewiese nordwestlich Sieggraben, Halbtrockenrasen und Magerwiesen auf dem Sieggrabner Kogel und das Niedermoor „Grünloch“ östlich des Brenntenriegels) sind noch erhalten und werden naturschutzfachlich betreut.

 

(10) Marzer Kogel und Draßburger Wald

Die reich strukturierte Kulturlandschaft im Großraum der Bezirkshauptstadt wird oft auch als „Mattersburger Hügelland“ bezeichnet. Streuobstwiesen (mit etlichen Edelkastanien-Bäumen) stellen eines von nur zwei Brutgebieten der Zwergohreule / Otus scops in Österreich dar.

Zwischen Walbersdorf (nächst Mattersburg), dem Geburtsort des bedeutenden Botanikers Paul (Pál) Kitaibel, und Schattendorf erhebt sich der Marzer (= Rohrbacher) Kogel. Auf dem Gipfel (388 msm) bzw. am Bergkamm treffen sich die Grenzen der sechs Gemeinden Mattersburg, Pöttelsdorf, Rohrbach b. Mattersburg, Marz, Draßburg / Rasporak und Loipersbach im Bgld. Am Rand des großen Eichenwaldgebiets (Draßburger Wald) und an seinen stellenweise steilen Hängen hat sich eine bemerkenswerte, noch deutlich pannonisch geprägte Trockenlandschaft ausgebildet, u. a. mit Prunus fruticosa / Zwerg-Weichsel, Dictamnus albus / Diptam, Iris variegata / Bunt-Schwertlilie, Linum flavum und L. hirsutum / Gelb- und Zottel-Lein, zahlreichen Orchideen usw. Störend sind die Aufforstungen mit Schwarz-Föhre, Robinie und Blumen-Esche in den Waldanteilen dieses Naturschutzgebiets Rohrbacher Kogel.

Gemeinsam mit dem Waldland im Gipfelbereich, einem Waldsaum mit dem überaus seltenen Clinopodium (Calamintha) menthifolium / der Wald-Bergminze, mit den Äckern (an einer Stelle mit selten gewordenen Beikräutern wie Galium tricornutum / Dreihörner-Labkraut, Thymelaea passerina / Spatzenzunge), mageren und daher artenreichen Mähwiesen und Weingärten, die sich ins Umland hinaus erstrecken, ergibt sich ein höchst interessantes Mosaik aus Lebensräumen. Das Feuchtgebiet Teichwiesen (Naturschutzgebiet) rundet das wertvolle Ensemble an Habitaten ab.

Der Nordhang des Wieserbergs (Gipfel 313 msm), eines dem Marzer Kogel südlich vorgelagerten Hügels unmittelbar südwestlich oberhalb der Teichwiesen, ist durch eine floristisch besonders reiche Vegetation ausgezeichnet: eine Abfolge von Waldfragmenten und Säumen mit z. B. Veratrum nigrum / Schwarz-Germer, Campanula bononiensis / Filz-Glockenblume, Iris graminea / Grasblatt-Schwertlilie und – als weitaus prominentester Art – der höchst seltenen Veronica spuria / Rispen-Blauweiderich, die hier erst von E. Weber (1992) entdeckt worden ist und nur noch an einer einzigen anderen Stelle im Burgenland (auf dem Eisenberg, siehe unter 18) vorkommt.

Zusammen mit den Südosthängen des Marzer Kogels bilden diese Flächen das Landschaftsschutzgebiet Hangwiesen Rohrbach, Loipersbach, Schachendorf.

In den artenreichen Halbtrockenrasen und Gebüschsäumen wachsen zahlreiche seltenere Arten wie
Rosa gallica / Essig-Rose,
Loncomelos pyrenaicus subsp. sphaerocarpus / Kugelfrüchtiger Pyrenäen-Schaftmilchstern und sogar
● der extrem seltene Loncomelos brevistylus / Kurzgriffel-Schaftmilchstern, weiters
Thalictrum simplex / Einfach-Wiesenraute,
Pulmonaria angustifolia / Schmalblatt-Lungenkraut,
Phelipanche purpurea / Violett-Blauwürger;

aber auch an Nassstellen bei Quellaustritten in Davallseggen-Niedermooren / Caricion davallianae mit
Epipactis palustris / Sumpf-Ständelwurz;

und im Talgrund des Kehrbachs
Althaea officinalis / Arznei-Eibisch (wahrscheinlich Wildvorkommen).

Leider wird das Gelände seit einiger Zeit so stark beweidet, dass Sorge um diese Vielfalt der Pflanzenwelt angebracht ist.

Der „Kaltstuiberer“ oberhalb des Donatuskreuzes (mit einem mächtigen Elsbeerbaum / Sorbus domestica) ist ein bemerkenswerter Trockenhügel mit einzelnen Edelkastanien / Castanea sativa und artenreichen Halbtrockenrasen, der durchaus schutzwürdig und schutzbedürftig ist. Leider scheint Tephroseris integrifolia subsp. aurantiaca / Orange-Steppen-Aschenkraut hier – am wahrscheinlich letzten Fundpunkt im Burgenland – verschwunden zu sein, nachdem genau an dieser Stelle ein Leckstein zur Kirrung (Wildfütterung) aufgestellt worden war.

 

Mittel-Burgenland

(11) Ödenburger Gebirge

Südwestlich von Sopron / Ödenburg zieht das Gebirge von West nach Ost. Durch die schmalste Stelle des Burgenlandes bei Sieggraben vom Rosaliengebirge (Sieggrabner Kogel 650 msm) getrennt, zieht es bis Neckenmarkt und Harka / Harkau, wo es allmählich ausklingt. Der Brenntenriegel östlich von Sieggraben erreicht immerhin noch 606 msm. Gneise und Glimmerschiefer sind die Hauptgesteinsarten, der jüngere Kalkstein tritt nur in geringer Mächtigkeit auf. Meist gibt es Eichen-Hainbuchen-Wälder, Buchen und (forstlich eingebrachte) Nadelbäume stehen in höheren Lagen. Auf den nach Süden gegen das Oberpullendorfer Becken abfallenden Flanken gedeiht die bekannte Blaufränkisch-Rebe.

 

(12) Landseer Gebirge und westliches Oberpullendorfer Becken

Von Sieggraben bis in den Raum von Kirchschlag in der Buckligen Welt (Niederösterreich) zieht in sanftem Bogen das maximal 761 msm hohe Bergland. Nur durch die Landesgrenze ist es im Westen von der Buckligen Welt getrennt, im Osten hingegen ist am Fuß des Berglands die Grenze zwischen Alpen und Flachland sehr schön sichtbar. Geologisch ist das Gebiet um den erloschenen Vulkan Pauliberg interessant.

Große Waldflächen dominieren das Landschaftsbild, dessen weithin sichtbares Wahrzeichen die Ruine Landsee ist. Der Naturpark Landseer Berge umfasst u. a. den „naturnahen Eichen-Föhren-Wald“ (Agrostio-Quercion) auf dem Heidriegel und das naturbelassene Rabnitztal an der niederösterreichischen Grenze mit Feucht- und Streuobstwiesen.

Unmittelbar östlich an die Abhänge des Landseer Gebirges schließt das Hügelland des westlichen Oberpullendorfer Beckens an. Es umfasst den Bereich von Stoober Bach, Außeraubach, Rabnitz, südlich bis etwa zum Zöbernbach, also die Landschaft im Dreieck zwischen Kalkgruben, Pilgersdorf und Mannersdorf an der Rabnitz. Der Stoober Bach bildet eine recht deutlich erkennbare Klimagrenze gegen die Landschaft 13.

Westlich von Stoob, an den Hängen des Nopler Berges, erstrecken sich ausgedehnte Streuobstwiesen (artenreiche Magerwiesen), die von prächtigen Edelkastanien (und alten Birn- und Apfelbäumen) begleitet werden. – Ein viel kleineres Streuobstwiesen-Gebiet („Streuobstwiese Fenyös“) wurde kürzlich (Herbst 2013) im nahen Oberpullendorf / Felsőpulya neu angelegt.

Bei Liebing gibt es einen Bestand einiger uralter, eindrucksvoller, unter Naturschutz stehender Edelkastanien. Und in Klostermarienberg gibt es den rührigen Verein der „Kästnklauba“ (http://www.kastanienfest.at).

 

(13) Östliches Oberpullendorfer Becken (Hügelland von Deutschkreutz, Nikitsch und Lutzmannsburg)

Anmerkung: In der Kartenskizze und in der Burgenland-Straßenkarte der Vereinigung Burgenländischer Geographen (2003) sind #13 und 14# als „Oberpullendorfer Becken“ zusammengefasst.

An drei Seiten ist das Oberpullendorfer Becken gebirgig umrahmt: Ödenburger Gebirge im Norden, Landseer Gebirge im Westen, Bernsteiner und Günser Gebirge im Süden. Nur nach Osten zu geht das Becken allmählich in die Kleine Ungarische Tiefebene über. Die wellige Riedellandschaft wird von Bächen entwässert, die dem Landschaftsgefälle entsprechend von Nordwest nach Südost fließen: die westlich des Stoober Bachs sind unter 12 genannt; östlich davon: Goldbach, Frauenbrunnbach, Raidingbach, Gaberlingbach, Nikitschbach.

Dieser östliche Teil des Oberpullendorfer Beckens – östlich des Stoober Bachs, etwa im Dreieck Ritzing–Deutschkreutz–Lutzmannsburg – zeigt deutlich pannonisch getöntes Klima und entsprechende Vegetation, was sich auch in der landwirtschaftlichen Nutzung widerspiegelt: Wir sind hier im „Blaufränkischland“ (benannt nach der Rebsorte), in dem der Weinbau eine wichtige Rolle spielt (neben Getreide, Mais, Raps, Sonnenblumen, Zuckerrüben).

Im östlichsten Bereich, etwa westlich des Kuchelbachs westlich von Ritzing, des Raidingbachs und einer Linie, die etwa von Raiding über Kleinwarasdorf / Mali Borištof gegen Kroatisch Minihof / Mjenovo führt, herrscht (zufolge Guglia 1957, 1962) ganz deutlich die pannonische Flora, die westlich davon merklich verarmt.

Einige Wälder (z. B. Naturwaldreservat Lange Leiten bei Neckenmarkt: Abfolge verschiedener Waldgesellschaften von Eichen-Hainbuchen-Wäldern bis zu bodensauren Heideginster-Traubeneichen-Wäldern / Agrostio-Quercion), zum Teil naturnähere Eichenwälder (z. B. Kreutzer Wald bei Deutschkreutz:

Quercion pubescentis (Flaumeichenwald) mit
Aegonychon [Buglossoides] purpurocaeruleum /Purpurblau-Geißklau (Rindszunge, Steinsame),
Laser trilobum / Rosskümmel,
Orchis purpurea / Purpur-Knabenkraut,
Loranthus europaeus / Riemenmistel, auf den Eichen schmarotzend, sowie
Iris variegata / Bunt-Schwertlilie und
Polygala major / Riesen-Kreuzblume auf Lichtungen.

 

Die ebenfalls stark pannonisch getönten Trockenrasen am Südfuß des Ödenburger Gebirges sowie ausgedehnte Streuobstkulturen und die Silikatsandgebiete bei Ritzing tragen zur Vielfalt der Landschaft bei.

Am Südrand des Kreutzer Waldes gibt es das kleine Naturschutzgebiet Waldteich Deutschkreutz mit einem Schwarzerlen-Bruchwald (Alnion glutinosae).

Drei der Trockenrasengebiete am Südhang des Ödenburger Gebirges sind bemerkenswerte Zeugen dafür, dass diese Landschaftseinheit florengeographisch noch zum Pannonikum gehört: der Rabenkopf bei Ritzing und zwei Flächen bei Neckenmarkt, die demnächst unter Naturschutz gestellt werden – der Galgenberg und die Ried Hussy.

Bei Ritzing und Unterfrauenhaid gibt es höchst bemerkenswerte bodensaure Sandsteppen auf Quarzsanden, den „Ritzinger Sanden“ (Thero-Airion) mit

Anthemis ruthenica / Ruthenien-Hundskamille,
Jasione montana / Sandknöpfchen,
Vulpia myuros / Mäuse-Federschwingel und
Filago spp./ Filzkraut-Arten.

In der (ehemaligen) Ritzinger Sandgrube hat der Schuldirektor und Bürgermeister Wöhl eine winzige ozeanische Sandpflanze entdeckt: Radiola linoides / den Zwergflachs – ein Neufund für Österreich (Wöhl 1985). Ob die Art noch existiert, ist unklar.

Im Bereich der Ortschaften Großwarasdorf / Veliki Borištof, Nikitsch / Filež und Kroatisch Geresdorf / Gerištof findet sich an Waldsäumen und auf Waldschlägen (z. B. im Nikitscher Wald) das sehr seltene Hypericum barbatum / Bart-Johanniskraut und in Waldtümpeln (z. B. in den Nikitscher Teichen) sowie auf überschwemmten Äckern die gleichfalls sehr seltene Sumpfpflanze Elatine alsinastrum / Quirl-Tännel (Melzer & Barta ####) – beide Arten heute österreichweit nur noch im Burgenland und vom Aussterben bedroht.

 

Süd-Burgenland

(14) Bernsteiner Gebirge

Diese meist bewaldete Berggruppe, vor allem aus Tonschiefern, liegt am Südostrand der Buckligen Welt am Dreiländereck mit Niederösterreich und der Steiermark. Gemeinsam mit dem Günser Gebirge, das nach Osten zu anschließt, trennt es das Mittel- vom Süd-Burgenland. Benannt nach dem Hauptort Bernstein, ist dieser Bergzug wegen des Vorkommens von Serpentiniten bekannt. Das sind magnesiumreiche Gesteine mit Gehalt an Schwermetallen, die den Pflanzen das Leben schwer machen. Die Vegetation auf den Böden über solchen Gesteinen ist auffallend dürftig – Föhrenwälder (Dicrano-Pinion sylvestris) anstelle von Laubwäldern – und reich an speziellen „Serpentinophyten“, Arten, die mit den hohen Magnesiumgehalten und der Giftwirkung der Schwermetalle zurechtkommen, langsam wachsen und daher konkurrenzschwach sind; darunter deshalb neben den schwermetallresistenten auch reliktisch verbreitete.

Charakteristische Arten über Serpentinit sind

Noccaea (Thlaspi) goesingensis ( Gösing-Täschelkraut (in Österreich sonst nur noch im steirischen Serpentinitgebiet bei Pernegg an der Mur und auf dem Berg Gösing am niederösterreichischen Alpenostrand),

Asplenium cuneifolium / Serpentin-Streifenfarn und

Asplenium adulterinum / Grünspitz-Streifenfarn

(Asplenion serpentini, Asplenio septentrionalis-Festucion pallentis);

● die balkanisch-anatolische Veronica scardica / Serpentin-Ehrenpreis und

● der burgenländische Endemit Tephroseris integrifolia subsp. serpentini / Serpentin-Aschenkraut.

Die schönsten Biotope mit Serpentinpflanzenfluren sind im Gipfelbereich des Wenzelangers (beantragtes Naturschutzgebiet), auf dem Steinstückel, auf dem Ochsenriegel südlich von Redlschlag und auf dem Kienberg sowie auf dem Kanitzriegel und im Bereich des ehemaligen Steinbruchs bei der „Bienenhütte“ ca. 2 km östlich von Bernstein an der Straße nach Lockenhaus. – Einige weitere Serpentinstellen gibt es im östlich angrenzenden Günser Gebirge (15).

Serpentinit steht auch auf einem Hügel bei Steinbach im Burgenland an, ca. 10 km nördlich von Bernstein (Bromus pannonicus / Pannonien-Trespe) und bei Pilgersdorf (Armeria elongata / Gewöhnlich-Grasnelke).

Literatur: Justin (1993), Fischer (2010 f), Dillinger (2015).

 

Auf der Südseite des Bernsteiner Gebirges sind die Willersdorfer Schlucht und die Aschauer Au nördlich von Willersdorf gegen Aschau bemerkenswert: ein untermontaner Schluchtwald mit

Alnus glutinosa, A. incana / Schwarz- und Grau-Erle sowie
Alnus alnobetula / Grün-Erle als montan-subalpine Art, die im Süd-Burgenland in Tieflagen hinabsteigt (siehe Verbreitungskarte 45),
Doronicum austriacum / Österreich-Gamswurz, eine gleichfalls montane Art,
Leucojum vernum / Frühlings-Knotenblume,
Matteuccia struthiopteris / Straußenfarn,
Lunaria rediviva / Wild-Mondviole (Wildes Silberblatt),
Aruncus dioicus / Geißbart sowie reichlich
Caltha palustris / Sumpf-Dotterblume am Bach;
● auf benachbarten Auwiesen Crocus albiflorus / Frühlings-Krokus etc.

 

(15) Günser Gebirge

Auf einer Fläche von 15 × 20 km dehnen sich die bewaldeten Berge entlang der ungarischen Grenze bis Güns / Kőszeg aus. Ebenso wie beim Ödenburger Gebirge handelt es sich um einen der beiden östlichsten Ausläufer der Alpen, die beide ganz knapp auch noch auf ungarisches Gebiet reichen. Die Aussichtswarte auf dem höchsten Berg des Burgenlandes, dem 884 m hohen Geschriebenstein / Írottkő, steht genau auf der Staatsgrenze.

Einem zerschlissenen Socken, aus dem der große Zeh herausguckt, nicht unähnlich, ragen bei Rechnitz Gesteine einer tieferliegenden tektonischen Decke als „Rechnitzer Fenster“ durch die sonst vorherrschende oberostalpine Decke – ähnlich dem Tauernfenster in den Hohen Tauern. Die Pflanzen interessieren sich allerdings nicht für die Tektonik, sondern für den Gesteinsuntergrund, der für die Bodenbildung maßgeblich ist. Es handelt sich hauptsächlich um silikatische Gesteine (Bündnerschiefer-Gruppe, ähnlich den Gesteinen der Tauernfensterumrahmung), besonders im Süden und Westen stehen auch Ophiolithe (Serpentinite) an, die für die Serpentinvegetation der Großen und Kleinen Plischa verantwortlich sind.

Das Gebirge ist ziemlich geschlossen mit Buchenwäldern bedeckt, die deutlich montan geprägt sind: hauptsächlich Fagion sylvaticae, aber auch Luzulo-Fagion.

Am Nordhang, ca. 2 km südlich von Hammer, liegt das Naturschutzgebiet Gössgraben im Gössbachgraben. Hier gibt es Schwarzerlen-Bruchwald (Alnion glutinosae) mit Carex elongata / Walzen-Segge und Thelypteris palustris / Sumpffarn und Aschweiden-Gebüsch (Salicion cinereae).

Die Angabe, hier sei Drosera rotundifolia / Rundblatt-Sonnentau gefunden worden, beruht vermutlich auf einem Irrtum. Diese Hochmoor-Art ist hier weder zu erwarten noch je belegt worden.

 

Auf der Kleinen Plischa und auf der Großen Plischa gibt es Biotope mit Serpentinvegetation (vgl. 14), leider wird hier der Serpentinit in großen Steinbrüchen – ohne Rücksicht auf den Naturschutz – abgebaut, wodurch wertvolle Biotope verlorengegangen sind: Notholaena marantae / Serpentinfarn ist damit im Burgenland ausgestorben.

 

Unterkohlstätten: Im Bereich des Steinbruchs gab es ein Vorkommen der Schwarz-Föhre / Pinus nigra, das als ursprünglich (autochthon) bewertet und – leider vergeblich – dem Naturschutz empfohlen worden war (Wendelberger ####, Guglia 1962, Traxler ####). Leider wurde dieser Bestand im Zuge der Steinbruchnutzung zerstört; heute wachsen dort hauptsächlich Rot-Föhren und auch einige angepflanzte Schwarz-Föhren.

 

Bei Goberling (beantragtes Naturschutzgebiet) gibt es artenreiche Wiesen („Magerflächen“) mit Gentiana cruciata / Kreuz-Enzian und Halbtrockenrasen mit Phelipanche purpurea / Violett-Bauwürger und Neotinea ustulata subsp. aestivalis / Sommer-Brand-Keuschständel.

Auch das für das südliche Burgenland und die Ost-Steiermark bezeichnende Tripleurospermum tenuifolium / die Feinblatt-Ruderalkamille kommt hier vor. Weiters kann man seltenere Arten wie Gentianopsis ciliata / Fransenenzian, Anthemis tinctoria / Färber-Hundskamille und Epipactis microphylla / Kleinblatt-Ständelwurz entdecken.

In den Magerwiesen bei Glashütten bei Schlaining wächst Gentianella austriaca / Österreichischer Kranzenzian.

 

(16) Südfuß des Günser Gebirges
(in der Grafik nicht bezeichnet)

Der Südosthang des Günser Gebirges ist in den höheren Lagen mit Wald bedeckt, der durch einen hohen Anteil an Edelkastanien charakterisiert ist. Weiter unten, in der nahen Umgebung von Rechnitz gibt es Trockenvegetation mit pannonischen Anklängen. Am Ostrand des Rechnitzer „Weingebirges“ unmittelbar nordöstlich von Rechnitz, knapp an der ungarischen Grenze, liegt das naturschutzfachlich wertvolle Gebiet Gmerk-Gatscher (auf der ÖK „Gmark“, Riedname „Gmerk“) – ein Teil des Grünen Bandes – mit interessanter, noch deutlich pannonisch getönter Trockenvegetation über Silikatgesteinen:

Iris variegata / Bunt-Schwertlilie,
Ophrys apifera / Bienen-Ragwurz und anderen Orchideen,
Drymocallis rupestris / Steinfingerkraut)
● einschließlich einiger floristischer Besonderheiten wie z. B. Aira elegantissima / Zierlich-Nelkenhafer). (Siehe „Wanderungen“!)

 

Landschaftlich sehr reizvoll ist auch das Faludital unmittelbar nördlich von Rechnitz (Staphylea pinnata / Pimpernuss, Cephalanthera longifolia / Schwertblatt-Waldvöglein). Bei Markt Neuhodis gibt es auch sonnige Kalkschiefer-Felshänge mit Spiraea media / Karpaten-Spierstrauch.

Weitere bemerkenswerte Arten der Trockenrasenfragmente über Grünschiefer und Kalkphyllit sind

Campanula bononiensis / Filz-Glockenblume,
Nepeta nuda / Pannonien-Katzenminze,
Pulsatilla pratensis subsp. nigricans / Schwarze Wiesen-Küchenschelle.

 

Die beiden Naturschutzgebiete Trockenbiotop beim Friedhof Rechnitz (u. a. Saxifraga bulbifera / Zwiebel-Steinbrech, Anacamptis [Orchis] morio / Klein-Hundswurz) und Galgenberg Rechnitz („Budi-Riegel“ genannt) knapp 2 km südwestlich von Rechnitz, an der Straße auf halbem Weg nach Markt Neuhodis (Pulsatilla grandis / Groß-Küchenschelle, Veronica prostrata / Liege-Ehrenpreis, Veronica spicata / Heide-Blauweiderich, Calluna vulgaris / Besenheide), beherbergen bemerkenswerte bodensaure Magerrasen. (Siehe Kapitel „Wanderungen“!)

Kleinflächige Trockenrasen mit Artemisia campestris / Feld-Beifuß, Bothriochloa ischaemum / Bartgras und Asperula cynanchica / Hügel-Meier, umgeben von Rotföhrenaufforstungen, sind auf dem Kühberg knapp nördlich von Markt Neuhodis entwickelt (Weber 1996: 91).

Neben der Forstwirtschaft gibt es bei Rechnitz und Schlaining auch Wein- und Obstbau sowie stellenweise Edelkastanien-Haine (z. B. auf dem Hang südlich des Badesees bei Rechnitz).

 

(17) bis (25) Das Südburgenländische Hügelland im weiteren Sinn

Dieses Hügelland, großteils Riedellandschaft, liegt klimatologisch und geobotanisch außerhalb des pannonischen Gebiets, das Klima ist zwar warm, aber nicht so trocken wie im Pannonikum. Dennoch lassen vor allem die Trockenstandorte die Nachbarschaft zum Pannonikum insofern erkennen, als noch einzelne pannonisch zentrierte Arten vorkommen. Siehe dazu die Verbreitungskarten (insbesondere 16 bis 28)! Im Vergleich zur westlich benachbarten Ost-Steiermark ist das Süd-Burgenland doch „östlicher“ getönt, wie etwa das Verbreitungsbild des pannonischen Eryngium campestre / Feld-Mannstreu zeigt, das sowohl in der Steiermark wie auch ganz im Süden (24 und 25) fehlt (Verbreitungskarte 18).

Charakteristisch für das Süd-Burgenland sind Arten wie Pulmonaria mollis / Weich-Lungenkraut (Verbreitungskarte 34) und Succisella inflexa / Sumpfabbiss (Verbreitungskarte 33). Zu den „subpannonischen“ Arten zählen etwa Veronica orchidea / Orchideen-Blauweiderich, die hier häufiger ist als im Pannonikum, weil sie die betont trockenen Standorte meidet, und Rosa gallica / Essig-Rose. Außerdem strahlen von Westen montane Arten wie Alnus alnobetula / Grün-Erle (Verbreitungskarte 45) und Doronicum austriacum / Österreich-Gamswurz ein, die es im Mittel-Burgenland nicht oder nur in den Gebirgen gibt (vgl. Verbreitungskarten 41 bis 46). Nach Süden zu nimmt naturgemäß der submediterrane Charakter der Flora zu, man spricht hier oft von der „subillyrischen“ Flora, für die etwa Moenchia mantica / Weißmiere, noch mehr aber Hemerocallis lilioasphodelus / Gelb-Taglilie (Verbreitungskarte 26) und Fritillaria meleagris / Schachblume sowie – nur im äußersten Süden (25)Erythronium dens-canis / Hundszahn (Verbreitungskarte 23) charakteristisch sind.

Einst die Landschaft beherrschend waren die feuchten bis nassen Täler, insbesondere der größeren Flüsse Pinka, Strem, Lafnitz, Raab mit ausgedehnter Feucht- und Nassvegetation. Davon ist heute wenig erhalten, umso wichtiger sind daher die Bemühungen des Naturschutzes, wenigstens kleine Reste der einstigen

  • Feucht- und Nasswiesen (Molinion, Calthion, Deschampsion),
  • Niedermoore (Caricion davallianae) und
  • Gewässer mit ihren Großseggenrieden und Röhrichten (Potametea; Phragmition, Magnocaricion, Glycerio-Sparganion, Phalaridion, Oenanthion aquaticae) zu bewahren.

Die in den Talniederungen einstmals bunte Blütenpracht der Wiesen mit

  • Lychnis flos-cuculi / Kuckucks-Lichtnelke (purpurn),
  • Dianthus superbus / Pracht-Nelke (rosa),
  • Iris sibirica / Sibirien-Schwertlilie (blau),
  • Gladiolus imbricatus / Dach-Siegwurz (purpurn),
  • Gentiana pneumonanthe / Lungen-Enzian (blau),
  • Ranunculus auricomus agg. / Goldschopf-Hahnenfuß (gelb),
  • Achillea ptarmica / Sumpfgarbe (weiß),
  • Veronica maritima / Langblatt-Blauweiderich (blau),
  • Trollius europaeus / Trollblume (gelb),
  • Persicaria bistorta / Schlangen-Knöterich (rosa) und
  • Selinum carvifolia / Kümmelsilge (weiß)

ist weithin verschwunden und hat dort, wo es überhaupt noch feucht oder gar nass ist, vielfach dem gelben Meer der neophytischen nordamerikanischen Solidago gigantea / Riesen-Goldrute Platz gemacht.

Einen Überblick über die Biotoptypen der Feuchtgebiete des Burgenlandes bietet Lazowski in Michalek & al. (2012: 22–52).

 

(17) Oberes Pinkatal: In der Wart

Die Pinka entspringt in der Steiermark, am südöstlichen Hang des Wechsels südwestlich von Mönichkirchen, passiert nördlich von Pinkafeld die Landesgrenze, durchquert dann das Burgenland in südöstlicher Richtung, bei Burg zwängt sich der Fluss an der Staatsgrenze durch eine wildromantische Schlucht (siehe unter 18), um dann nach Süden weiterzufließen, wobei das Tal einen immer breiteren Boden, den Pinkaboden (siehe unter 20), bildet.

Zwischen Pinkafeld und Großpetersdorf heißt das Pinkatal auch „In der Wart“, weil nach der Landnahme im 9. und 10. Jahrhundert die Magyaren hier Grenzwächter ansiedelten, die unter anderem die Aufgabe hatten, mittels ausgeklügelter Systeme ganze Landstriche entlang von Flüssen unter Wasser zu setzen, um feindliche Heere am Vorankommen zu hindern. Solche Anlagen mussten auch „gewartet“ werden, in der „Wart“ lebten also die Wächter und Wärter. Und manche Siedlungsnamen erinnern heute noch daran (Oberwart / Felsőőr, Unterwart/Alsóőr, Rauchwart / Rábort / Mala Borta etc.).

Südlich des Eisenbergs wechselt die Pinka mehrmals zwischen österreichischem und ungarischem Staatsgebiet, ehe sie bei Körmend in die Raab mündet.

Der Talboden der Pinka wies ursprünglich zahlreiche Nassgebiete auf, Niedermoore, die zwecks besserer wirtschaftlicher Nutzung durch Entwässerungsmaßnahmen in Streu(e)wiesen umgewandelt worden waren. Aus vegetationsökologischer und floristischer Sicht ist die Landschaft dadurch stark verarmt. Heute gibt es nur noch spärliche Reste der ehemaligen mehr oder weniger feuchten bis nassen Talwiesen, die ein Hauptziel des Naturschutzes sind.

Der Geschützte Lebensraum Oberwart-Wehoferbach am westlichen Stadtrand von Oberwart / Felsőőr ist eine der letzten artenreichen Feuchtwiesen im Talbereich der Pinka. Neben Salix cinerea– / Aschweiden-Gebüsch ist eine schöne Nasswiese (Calthion) ausgebildet. Bemerkenswerte und gefährdete Arten sind u. a.

Gentiana pneumonanthe / Lungen-Enzian,
Iris sibirica / Sibirien-Schwertlilie,
Achillea ptarmica / Bertram-Schafgarbe (Sumpfgarbe),
Veronica maritima / Langblatt-Blauweiderich,
Succisa pratensis / Teufelsabbiss,
Trollius europaeus / Trollblume,
Persicaria bistorta (Bistorta officinalis) / Schlangen-Knöterich,
Stachys palustris / Sumpf-Ziest,
Geranium palustre / Sumpf-Storchschnabel,
Laserpitium prutenicum / Preußen-Laserkraut,
Lythrum salicaria / Gewöhnlich-Blutweiderich,
Salix repens / Kriech-Weide.

Die leider vordringende Solidago gigantea / Riesen-Goldrute muss bekämpft werden.

 

Naturschutzgebiet Friedhofwiesen bei Jabing:

● Niedermoorreste mit Salix fragilis / Bruch-Weide und Salix cinerea / Asch-Weide sowie Alnus glutinosa / Schwarz-Erle und

● Pfeifengraswiesen (Molinion) mit Iris sibirica / Sibirien-Schwertlilie, Achillea ptarmica / Bertram-Schafgarbe und Hemerocallis lilioasphodelus / Gelb-Taglilie sowie

● Bachkratzdistelwiesen (Cirsium rivulare),

● kleinflächig auch Furchenschwingel-Halbtrockenrasen mit Magerkeitszeigern wie Dianthus deltoides / Heide-Nelke.

Die naturschutzfachliche Situation hat sich in den letzten Jahren allerdings verschlechtert, vor allem durch Nährstoffeintrag aus benachbarten Äckern. Die Pfeifengraswiesen sind ruderalisiert; Brennnessel- und Goldrutenfluren (Solidago-gigantea) nehmen überhand. Gegenmaßnahmen zur Rettung wurden erfolgreich in Angriff genommen.

Ein geplantes Naturschutzgebiet sind die Feuchtwiesen im Tal der Pinka zwischen Großbachselten und Kleinpetersdorf (Gemeinde Kohfidisch), zwischen Pinka und Zickenbach (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Seitenbach der Strem!): Aschweiden-Gebüsch, Großseggenriede, wechseltrockene und wechselfeuchte Magerwiesen mit Veronica longifolia (Pseudolysimachion longifolium) / Langblatt-Blauweiderich und Stachys palustris / Sumpf-Ziest.

 

(18) Eisenberg, Schandorfer Wald und Pinkaschlucht

Am Eisenberg (415 msm) tauchen, wie weiter nördlich am Geschriebenstein / Írottkő, noch einmal die Gesteinsschichten jener tektonischen Einheit auf, die auch das Rechnitzer Fenster bildet, sie bestehen aus Serpentinit, Grünschiefer (Chloritschiefer), Glimmerschiefer und Quarzphyllit. Lichte Eichen-Hainbuchen-Wälder bilden die ursprüngliche Vegetation, am Nordhang noch erhalten, an den Südhängen mussten sie dem Weinbau weichen.

Der Eisenberg (nicht zu verwechseln mit den zwei Ortschaften gleichen Namens ebenfalls im Süd-Burgenland: Eisenberg bei Litzelsdorf (Olbendorf) und Eisenberg an der Raab!) bei Eisenberg an der Pinka (in der Gemeinde Deutsch Schützen-Eisenberg) ist bei Freunden der Flora berühmt wegen des sensationellen Fundes der Veronica (Pseudolysimachion) spuria (V. paniculata) / des Rispen-Blauweiderichs (Rispen-Ehrenpreises) in den 50er-Jahren durch den Pfarrer Farkas, einer Neuentdeckung fürs Burgenland (und ganz Österreich).

Die Rebzeilen an der Südseite des 415 msm hohen Bergmassivs führen steil wie sonst nirgendwo im Burgenland den Hang hinauf, was den landschaftlichen Reiz zwar ungemein erhöht, das Arbeiten in den Weinbergen jedoch recht schwierig gestaltet. „Erdiger“, mineralisch getönter Geschmack macht die Weine hier unverkennbar. Auch der Eisenberg ist berühmt für seine lieblichen Kellerstöckl (wie übrigens auch der Tschaterberg (= Csaterberg oder Csatherberg) bei Kohfidisch, auf dem in Resten interessante Wiesenvegetation vorhanden ist.

Der Schandorfer Wald erstreckt sich südöstlich von Schandorf / Čemba und östlich von Burg – berühmt wegen seines prähistorischen (jungsteinzeitlichen) Hügelgräberfeldes / Stari grobi –, er ist im Wesentlichen ein Eichen-Hainbuchen-Wald (Carpinion betuli).

Botanisch bemerkenswert ist die Schlucht der Pinka, durch die die ungarische Grenze verläuft. Auf den Steilhängen liegt eines der sehr wenigen Vorkommen von Spiraea media / Karpaten-Spierstrauchs in Österreich.

 

(19) Punitzer Wald (einschließlich Kulmer Wald)

Er bildet auf den tertiär-zeitlichen Hügeln und Terrassen zwischen Strem und Pinka das größte zusammenhängende Waldgebiet des Südburgenlandes, das nach dem Ort Punitz benannt wurde und den naturkundlich interessanten Hohensteinmaisberg (beantragtes Schutzgebiet) südlich von Kirchfidisch einschließt, wo u. a. Feuchtwiesen mit Hemerocallis lilioasphodelus / Gelb-Taglilie und Achillea ptarmica / Bertram-Schafgarbe ausgebildet sind.

Das Waldgebiet um den Hohensteinmaisberg hat darüber hinaus einiges aus dem Reich der Orchideen zu bieten wie Cephalanthera longifolia / Schmalblatt-Waldvöglein und Cephalanthera rubra / Purpur-Waldvöglein, Cypripedium calceolus / Frauenschuh, Epipactis microphylla / Kleinblatt-Ständelwurz und Epipactis pontica / Pontus-Ständelwurz.

Mit einer markanten Geländestufe bricht das Hügelland zum Pinkaboden ab (siehe Landschaft 20).

Ein großer östlicher Teil gehört zum Landschaftsschutzgebiet Südburgenländisches Hügel- und Terrassenland (Natura-2000-Gebiet), das nach Norden bis zum Eisenberg (18) und im Süden bis Heiligenbrunn reicht und im Süden einen Teil des „Naturparks in der Weinidylle“ umfasst (siehe auch 20). Der Clusius-Naturpark enthält einen Stausee (nördlich Urbersdorf) mit Wasserschwaden-(Glyceria-maxima-)Röhricht und offenen Schlammböden (Nanocyperion), in denen u. a. die seltenen Arten Mentha pulegium / Polei-Minze und Lindernia procumbens / Europa-Büchsenkraut wachsen.

 

(20) Pinkaboden (unteres Pinkatal)

Während im nördlichen Pinkatal auch größere Siedlungen liegen (Pinkafeld, Oberwart / Felsőőr, Großpetersdorf), gibt es auf dem Pinkaboden – der Tallandschaft der nord-süd-verlaufenden Pinka, an der ungarischen Grenze, südlich der Pinkaschlucht im Schandorfer Wald (18) nur kleine bis kleinste Ortschaften (Bildein, Eberau, Moschendorf, Hagensdorf, Luising).

Im Moschendorfer Wald (westlich Moschendorf) ist eine wissenschaftlich überaus bemerkenswerte neue Art entdeckt worden: Ranunculus notabilis / Moschendorfer Goldschopf-Hahnenfuß, ein neuer unter den sehr wenigen sexuellen Goldschopf-Hahnenfüßen (Hörandl & Gutermann 1998).

Landschaftlich ist die Gegend des unteren Pinka- und Stremtales jedoch überaus reizvoll: „In der Weinidylle“ heißt der idyllische Naturpark, zu dem an dessen Südrand die weltberühmten strohgedeckten Kellerstöckl von Heiligenbrunn ebenso gehören wie der berühmte Uhudler-Wein.

 

Weithin, über das Burgenland hinaus, bekannt ist das Naturschutzgebiet Schachblumenwiesen. Es handelt sich um zwei getrennte Wiesen im untersten Stremtal, im südöstlichsten Zipfel des Burgenlandes. Die eine liegt knapp südlich von Hagensdorf, die andere wenig östlich davon südöstlich von Luising an der Mündung der Strem in die Pinka. Die Flächen sind unter Schutz gestellt worden, um das einzige burgenländische Vorkommen der Fritillaria meleagris / Schachblume zu sichern – eines der hervorragendsten und zu Recht berühmten botanischen Juwele des Burgenlandes. Diese Art kommt in Österreich sonst nur noch an einer Stelle in der Ost-Steiermark vor (bei Großsteinbach im Feistritztal). Die weithin berühmten Schachblumenwiesen, großteils Bachkratzdistelwiesen (Calthion), leiden unter Grundwasserabsenkungen: Stellenweise hat sich die ursprüngliche Feuchtwiese in einen Trockenrasen verwandelt!

Naturnähere Vorkommen der Schachblume befinden sich im angrenzenden, die Staatsgrenze gegen Ungarn bildenden Auwald an der Strem mit Quercus robur / Stiel-Eiche und Ulmus laevis / Flatter-Ulme.

Zusammen mit den anderen Auwald-Geophyten
Leucojum vernum / Frühlings-Knotenblume,
Isopyrum thalictroides / Muschelblümchen,
Scilla drunensis / Traun-Blaustern und anderen

findet sich auch eine große Seltenheit, nämlich
● die Gagea spathacea / der Scheiden-Gelbstern, eine Art, die erst in den späten 60er-Jahren entdeckt worden war (Traxler 1969 b).

Weitere Arten sind
Adoxa moschatellina / Moschusblümchen,
● Vicia oroboides / Walderbsen-Wicke (vgl. Verbreitungskarte 24!).

In den Wassergräben wachsen
Oenanthe aquatica / Wasserfenchel und
Hottonia palustris / Wasserfeder,
Utricularia vulgaris / Gewöhnlich-Wasserschlauch,
Persicaria amphibium / Wasser-Knöterich,
Callitriche hamulata / Haken-Wasserstern und viele andere (Weber 1996).

 

(21) Oberes Lafnitztal

Als Lafnitzbach entspringt die Lafnitz im Joglland (westlich von Vorau) in der nordöstlichen Steiermark, ab der Ortschaft Neustift bildet der Fluss Lafnitz mehr als 40 km lang, bis knapp vor Königsdorf, die westliche Landesgrenze. Wegen ihrer Eigenschaft als Grenzfluss – einst zwischen der österreichischen („Cisleithanien“) und der ungarischen Reichshälfte („Transleithanien“), heute zwischen den Bundesländern Steiermark und Burgenland – hat sich die Lafnitz den Charakter eines mäandrierenden naturnahen Tieflandflusses über weite Strecken bewahrt. Es sind keine Begradigungen und auch sonst nur wenige flussbauliche Maßnahmen zum Hochwasserschutz vorgenommen worden, denn der Fluss galt als unregulierbar.

Deswegen genießt das Lafnitztal heute mehrfachen Naturschutz: Entlang fast des gesamten Grenzverlaufs ist es Ramsar-Schutzgebiet, seit 1990 ist das Augebiet zwischen der Lafnitz und dem Stögersbach das Naturschutzgebiet Lafnitz-Stögersbach-Auen Wolfau (330–310 msm), an dessen Südende der ebenfalls in der Steiermark entspringende Stögersbach in die Lafnitz mündet.

Endrucksvoll sind die bachbegleitende Weichholzau und die artenreichen Auwiesen – Glatthaferwiesen bis Feuchtwiesen:

Persicaria bistorta (Bistorta officinalis) / Schlangen-Knöterich,
Sanguisorba officinalis / Groß-Wiesenknopf,
Selinum carvifolia / Kümmelsilge,
Succisa pratensis / Teufelsabbiss,
Laserpitium prutenicum / Preußen-Laserkraut,
Scorzonera humilis / Niedrig-Schwarzwurz,
Iris sibirica / Sibirien-Schwertlilie,
Carex cespitosa / Rasen-Segge (vgl. Verbreitungskarte 28)
Salix repens subsp. rosmarinifolia / Rosmarinblättrige Kriech-Weide.

(Vgl. dazu Korner in Michalek 2012: 71–75.)

Insbesondere auch der naturnahe Flusslauf und die Nassstandorte mit z. B. reichen Beständen von Iris pseudacorus / Wasser-Schwertlilie verdienen wie das gesamte Gebiet höchsten Schutz und entsprechend schonende Bewirtschaftung.

Literatur: Lazowski & Lazowski in Michalek (2012: 98–109), Weinzettl (2014).

 

(22) Südburgenländisches Hügelland (im engeren Sinn)

Im Westen anschließend an das südoststeirische Hügelland, besteht dieser ausgedehnte Bereich des Süd-Burgenlandes aus Hügeln und Riedeln, also schmalen, langgestreckten Geländerücken zwischen den Fluss- und Bachtälern. Das Südburgenländische Hügelland reicht eigentlich vom Südfuß des Bernsteiner und Günser Gebirges bis zum Jennersdorfer Hügelland zwischen Lafnitz und Raab, und von der Landesgrenze zur Steiermark bis zum Westrand des Pinkabodens. Damit umfasst es auch den Hügelzug zwischen Pinkafeld und Stinatz und den Punitzer Wald.

Das Kerngebiet des Hügellandes liegt zwischen dem Tal der Pinka und dem der Lafnitz. In der Mitte wird es durch das Tal der Strem geteilt: in einen nördlichen Abschnitt mit der Platte zwischen Oberdorf und Güttenbach und einen südlichen Abschnitt, der das Kukmirner und das Großmürbischer Hügelland umfasst. Die Hügel erreichen Höhen zwischen 300 und 400 msm. Das Klima ist hier doch merklich feuchter als in weiten Teilen des Mittel- und Nord-Burgenlandes, nach Süden zu nimmt damit der subillyrische Klima- und Florencharakter zu. Der ursprüngliche Wald aus Eichen und Hainbuchen wurde vielfach durch Fichtenforste ersetzt, in nassen Mulden gibt es Reste von Niedermooren und Erlenbruchwäldern, in Bachtälern finden sich streifenweise interessante, naturnahe Auwald-Gesellschaften. Die meist schweren Böden werden landwirtschaftlich genutzt, Obstbau auf Streuobstwiesen verleiht der Landschaft einen idyllischen Charakter.

Im bewaldeten Hügelland südlich von Pinkafeld, auf dem Höhenrücken zwischen Pinka und Stögersbach liegt östlich von Buchschachen, im Quellgebiet der Strem, in rund 380 msm, das geplante Naturschutzgebiet Apfelleitenmoor. Es handelt sich um Fragmente von Schwarzerlen-Bruchwald, um Reste eines wohl ehemals größeren Niedermoores mit Populationen von Comarum palustre / Blutauge und Carex lasiocarpa / Faden-Segge (Erstfund für das Burgenland: Wallnöfer & al. 1991), stellenweise Röhricht mit Iris pseudacorus / Wasser-Schwertlilie, ferner Gebüsche der Salix aurita / Ohr-Weide (Salicion auritae). Das einstige Moor war entwässert und mit Fichten und Rot-Föhren aufgeforstet worden; stellenweise dominiert heute Solidago gigantea / Riesen-Goldrute (Weiss & al. 2013).

 

    • Hügelland zwischen Pinka und Strem:

Das beantragte Naturschutzgebiet Steinbrückl bei Kemeten liegt unmittelbar am südlichen Rand eines Gewerbegebietes an der Straßenkreuzung Oberwart / Felsőőr–Markt Allhau–Kemeten. Primäres Schutzziel ist die Erhaltung von Population von Gladiolus imbricatus / Dach-Siegwurz. Benachbart sind Schwarzerlenforste mit Resten von Schwarzerlen-Bruchwald. Naturschutzfachlich richtige Mahd ist notwendig, um Verbuschung zu verhindern und die sich ausbreitende Riesen-Goldrute zu verdrängen.

Ursprünglich schöne Bestände von Iris sibirica /Sibirien-Schwertlilie, Achillea ptarmica / Bertram-Schafgarbe (Sumpfgarbe), Thalictrum lucidum / Glanz-Wiesenraute sind mittlerweile stark dezimiert, und Raritäten wie Dactylorhiza incarnata subsp. incarnata / Eigentliche Fleischfarben-Fingerwurz, Epipactis palustris / Sumpf-Ständelwurz und Dianthus superbus subsp. superbus / Feuchtwiesen-Pracht-Nelke verschwunden.

Das Naturschutzgebiet Bachaue Lug am Lukabach am Südrand der Gemeinde Neuberg im Burgenland / Nova Gora hat sich in den letzten Jahrzehnten dramatisch verschlechtert: Neben Aschweidenbeständen (Salix cinerea) gibt es heute hauptsächlich fast nur noch „Goldrutenfluren“ (Solidago gigantea). Bestände der für die südburgenländischen „Talsümpfe“ charakteristischen (in Österreich sonst sehr seltenen) Carex buekii / Banat-Segge sind stellenweise noch erhalten (Weiss 2013). Durch die Bewirtschaftung mittels Mahd und Beweidung sind die Goldrutenfluren zugunsten von Fuchsschwanzwiesen und Bachkratzdistel-Feuchtwiesen in den letzten sechs Jahren zurückgedrängt worden (briefl. Mitt. St. Weiss, 2014).

Natur- und Landschaftsschutzgebiet Dolnji Trink / Beim Trunk ca. 2 km nordöstlich von Güttenbach / Pinkovac: Der schmale Streifen umfasste einst eine Vielfalt verschiedener Lebensräume mit bunt blühenden Arten: Auwaldreste, Feuchtwiesen mit Gentiana pneumonanthe / Lungen-Enzian und Dianthus superbus / Pracht-Nelke, einen Weiher mit Wasserschwaden-Rohrkolben-Röhricht (Glyceria maxima, Typha sp.), aber auch bodensaure trockene Magerwiesen mit Verbascum phoeniceum / Purpur-Königskerze, Dianthus deltoides / Heide-Nelke und Calluna vulgaris / Besenheide (Koó 1994). Nach Nutzungsaufgabe und Unterschutzstellung verbrachten die Flächen infolge fehlenden Naturschutz-Managements, sie verwandelten sich in Gilbweiderich-Mädesüß-Fluren (Lysimachia vulgaris, Filipendula ulmaria) und Goldruten-Brennnessel-Fluren, die heute das Bild beherrschen (Weiss 2013). Die Magerwiesen sind verschwunden.

 

Nördlich von Rauchwart (im Stremtal), wenig nordwestlich von Neuberg im Burgenland / Nova Gora, im Bereich des Haselbachs gibt es noch erstaunlich naturnahe Reste von Schwarzerlenbruchwäldern mit Peucedanum palustre / Sumpf-Haarstrang, Carex buekii / Banat-Segge, C. elongata / Walzen-Segge, Scutellaria galericulata / Sumpf-Helmkraut, Ranunculus flammula / Brenn-Hahnenfuß, Silene baccifera / Hühnerbiss usw.; dort ist erst jüngst Oenanthe banatica / Banat-Haarstrang als neue Art für Österreich (!) entdeckt worden (Haberler 2008).

 

Über die Talwiesen an der Strem bei St. Michael und Rauchwart berichtet Haberler in Michalek & al. (2012: 83–86) u. a. darüber, dass folgende Arten verschwunden sind: Oenanthe fistulosa / Röhren-Wasserfenchel , Oenanthe silaifolia / Silgen-Wasserfenchel, Gratiola officinalis / Gnadenkraut, Trifolium fragiferum / Erdbeer-Klee, Triglochin palustris / Sumpf-Dreizack, Ranunculus circinatus / Spreiz-Wasserhahnenfuß, Hottonia palustris / Wasserfeder, Utricularia vulgaris / Gewöhnlich-Wasserschlauch.

Bei Rauchwart gibt es am Dürren Bach Großseggenriede mit Scrophularia umbrosa / Flügel-Braunwurz, Scutellaria galericulata / Sumpf-Helmkraut, Hypericum tetrapterum / Flügel-Johanniskraut, der sehr seltenen Carex appropinquata / Wunder-Segge u. a. (Beckmann & Haberler in Michalek & al. (2012).

 

    • Hügelland zwischen Strem und Lafnitz:

In den Niederungen des Stremtales sind bis heute weitläufige Wiesenlandschaften erhalten geblieben, zum Teil noch artenreiche Feuchtwiesen (Pfeifengraswiesen) bei Strem und Urbersdorf; je nach ihrem Wasserhaushalt stehen sie im Kontakt einerseits mit Fuchsschwanzwiesen (im Arrhenatherion) und Überschwemmungswiesen / Deschampsion sowie Pfeifengraswiesen / Molinion, andererseits mit Großseggen-Gesellschaften / Magnocaricion. Sie beherbergen etwa die folgenden charakteristischen Arten (nach Pöchheim in Michalek & al. 2012), darunter auch einige seltene und gefährdete (mit ! versehen):

Carex elata / Horst-Segge
Peucedanum palustre / Sumpf-Haarstrang (!)
Filipendula ulmaria / Echt-Mädesüß
Achillea ptarmica /Sumpfgarbe (!)
Succisella inflexa / Sumpfabbiss (!) (vgl. Verbreitungskarte 33)
Succisa pratensis / Teufelsabbiss
Gentiana pneumonanthe / Lungen-Enzian (!)
Iris sibirica / Sibirien-Schwertlilie (!)
Datylorhiza majalis / Breitblatt-Fingerwurz
Veronica maritima / Langblatt-Blauweiderich (!)
Dianthus superbus subsp. superbus /Feuchtwiesen-Pracht-Nelke (!)
Hemerocallis lilioasphodelus / Gelb-Taglilie (!) (Verbreitungskarte 26)
Trollius europaeus / Trollblume
Selinum carvifolia / Kümmelsilge
Sanguisorba officinalis / Groß-Wiesenknopf
Serratula tinctoria / Echt-Färberscharte
Lychnis flos-cuculi / Kuckucks-Lichtnelke
Campanula cervicaria / Borsten-Glockenblume (!)
Molinia caerulea / Klein-Pfeifengras

aber auch

Moenchia mantica / Weißmiere (vgl. Verbreitungskarte 30).

 

Hutweidenreste sind zwischen Glasing und Urbersdorf, bei Heiligenbrunn und Deutsch Bieling erhalten geblieben, u. a. mit hier wahrscheinlich wilder, autochthoner Althaea officinalis / Arznei-Eibisch und mit Bidens radiatus / Groß-Zweizahn.

 

Der die Landschaft beherrschende Güssinger Burgberg ist ein Basalttuffkegel mit
Colutea arborescens / Blasenstrauch,
Asplenium adiantum-nigrum / Immergrün-Streifenfarn,
Alyssum montanum / Berg-Steinkraut,
Veronica prostrata / Liege-Ehrenpreis,
Medicago minima / Zwerg-Schneckenklee,
Tordylium maximum / Zirmet,
Nepeta nuda / Pannonien-Katzenminze und anderen, darunter vielleicht einige „Burggartenflüchtlinge“ (Weber 1996).

In den Güssinger Fischteichen schwimmt Trapa natans / Wassernuss (schon von Clusius angegeben). Einst wuchs hier auch Marsilea quadrifolia / Kleefarn, entdeckt von einem Wiener Botaniker im Jahre 1961 (allerdings ist unbekannt, ob nicht bloß angesalbt, d. h. künstlich eingebracht). ###Zyperngras-Gesellschaften in Winterteichen, siehe Bericht zum Ramsar-Gebiet###??

 

Das Naturschutzgebiet Auwiesen im Zickenbachtal liegt zwischen Rohr im Burgenland und Eisenhüttl, knapp südwestlich von Heugraben (Gemeinden Heugraben und Kukmirn). (Dieser Zickenbach fließt von Nordwest nach Südost südlich parallel zur Strem und mündet bei Güssing in diese. Er darf nicht mit dem gleichnamigen Bach verwechselt werden, der, aus Unterschützen kommend, parallel zur Pinka verläuft und in Kotezicken sich mit dieser vereinigt.) Nass- und Feuchtwiesen entlang des Baches mit
● Resten der ehemaligen „Sumpfwälder“ (Schwarzerlenbruchwälder und Aschweidengebüsche),
● Großseggenriede (Carex elata, C. acutiformis, C. cespitosa),
● Bachkratzdistel-Wiesen (Cirsium rivulare),
● Nasswiesen mit Filipendula ulmaria / Groß-Mädesüß und Lythrum salicaria / Blutweiderich,
● alle heute stark von Solidago gigantea / Riesen-Goldrute unterwandert (Koó 1994, Weiss 2013); durch Mahd hat sich in jüngster Zeit die Situation verbessert (St. Weiss, briefl.).

 

Das geplante Schutzgebiet Tobajer Kogel am rechten Ufer der Strem bei Tobaj umfasst Halbtrockenrasen und Saumgesellschaften und erfordert Entbuschung und Zurückdrängen der Robinie.

In den Altarmen der Strem wie auch in den künstlichen Gräben wachsen Nuphar lutea / Gelb-Teichrose, Sagittaria sagittifolia / Pfeilkraut, Hydrocharis morsus-ranae / Froschbiss.

Generell ist bei den meisten Wasserpflanzen das Indigenat unsicher, weil sie vielfach künstlich angesiedelt worden sind. Sicherlich ein Kulturrelikt ist Acorus calamus / Kalmus, eine alte Gewürz- und Arzneipflanze.

Das kleine Naturschutzgebiet Luka bei Großmürbisch ist eine Feuchtwiese am Reinersdorfer Bach zum Schutz der Hemerocallis lilioasphodelus / Gelb-Taglilie – der „Wappenblume“ des Burgenlandes, die Clusius schon im Jahre 1583 in der Umgebung von Güssing beobachtet hat.

 

(23) Unteres Lafnitztal

Besonders interessant und wertvoll sind etwa die Schwarzerlen-Bruchwälder bei Königsdorf und Rosendorf. Bemerkenswerte Arten sind hier

Hottonia palustris / Wasserfeder,
Peucedanum palustre / Sumpf-Haarstrang,
Oenanthe aquatica / Wasserfenchel,
Carex pseudocyperus / Groß-Zypergras-Segge,
Thelypteris palustris / Sumpffarn,
Carex elongata / Walzen-Segge.

(Literatur: Grünweis 1977.)

Auch ein äußerst seltener Fisch, der Goldsteinbeißer / Sabanajewia balcanica, ist eine Besonderheit der Nasslebensräume in den Lafnitz-Auen.

Der geschützte Landschaftsteil Lahnbach liegt bereits im Bezirk Jennersdorf, dem südlichsten des Burgenlands. Der Lahnbach fließt eine lange Strecke parallel zur Lafnitz und mündet erst wenig unterhalb Rudersdorf in diese. Der mäandrierende Lauf westlich von Deutsch-Kaltenbrunn ist limnologisch interessant, er ist ein Refugialbiotop für Flussmuschel / Unio crassus und Teichmuschel / Anodonta cygnea.

Der langsam fließende Bach ist u. a. von Nuphar lutea / Gelb-Teichrose besiedelt. Im Gehölzsaum wachsen verschiedene Weiden-Arten und bemerkenswert sind die beiden aus Nordamerika stammenden Neophyten Rudbeckia laciniata / Schlitzblatt-Sonnenhut und die einjährige kletternde Echinocystis lobata / Igelgurke.

 

(24) Jennersdorfer Hügelland und Raabtal

Diese kleinteilige Landschaft, südlich des Lafnitztals gelegen und bis zum Raabtal reichend, weist Streuobstkulturen und kleine Waldreste auf und hat großteils idyllischen Charakter. Eine charakteristische „subillyrische“ Art ist Helleborus dumetorum / Hecken-Nieswurz.

Auf der Südseite des (von der offiziellen Kartographie ignorierten) Tafelberges bei Jennersdorf wächst in den trockenen, mageren Glatthaferwiesen massenhaft die besonders für das Süd-Burgenland typische Moenchia mantica / Weißmiere (vgl. Verbreitungskarte 30).

Hier liegt auch das Landschaftsschutzgebiet Schlösslberg Mogersdorf.

Der größte Teil gehört zum trilateralen Naturpark Raab–Őrség–Goričko, der sich östlich auf ungarisches und südlich auf slowenisches Gebiet erstreckt. Dieser Naturpark umfasst im Burgenland 7 Gemeinden mit einer Fläche von 142,13 km² (Bezirk Jennersdorf: 24 und 25), in Ungarn 28 Gemeinden mit 440 km² (Nationalpark Őrség im Komitat Vas) und in Slowenien 11 Gemeinden mit 462 km² (Naturpark Goričko im nördlichen Prekmurje / Übermurgebiet). Informative Darstellung der Pflanzenwelt des Prekmurje: Bakan (2006).

Die Raab entspringt in der Steiermark (am Osser im Grazer Bergland), fließt nur ein kurzes Stück bei Jennersdorf durchs Burgenland und mündet nach 250 km bei Győr / Raab in die Kleine Donau. Sie ist der wasserreichste Fluss im Süd-Burgenland. Stellenweise begleiten wertvolle Auwald-Streifen das Gewässer, ebenso kleinflächige Reste von Schwarzerlen-Bruchwäldern und Niedermooren hart an der ungarischen Grenze und beidseitig des Flusses galerieartig große Silber-Weidenbestände.

 

(25) Neuhauser Hügelland

Südlich der Raab erstreckt sich das abwechslungsreich gegliederte Neuhauser Hügelland (benannt nach Neuhaus am Klausenbach), das auch noch ein Stück über die Wasserscheide (zwischen Mühlgraben und Tauka) ins Einzugsgebiet der Mur übergreift. Die sanften Rücken sind meist bewaldet (mit Castanea sativa / Edelkastanie, Vicia oroboides / Walderbsen-Wicke – vgl. Verbreitungskarte 24), oft durchsetzt von Obstplantagen und Streuobstwiesen. Eine floristische Besonderheit hier ist Erythronium dens-canis / Hundszahn (Hundszahnlilie) mit dem einzigen Vorkommen im Burgenland (Verbreitungskarte 23).

Zusammen mit 24 sowie der ungarischen und slowenischen Nachbarschaft hat das Neuhauser Hügelland heute Anteil am Dreiländer-Naturpark Raab–Őrség–Goričko (siehe unter 24).

 

Zitiervorschlag:
Fally J., Fischer M. A., Weinzettl J., Weiss S. & Pachschwöll C., 2015: Die Landschaften des Burgenlandes mit besonderer Berücksichtigung der botanisch bemerkenswerten Stellen. – In: Fischer M. A. & al., Burgenlandflora – Die Pflanzenwelt des Burgenlands Online. – Eisenstadt: Naturschutzbund Burgenland. http://burgenlandflora.at/landschaften/ (aufgerufen am XX.YY.ZZZZ)