Geologie

Von Josef Fally und Manfred A. Fischer

 

GGeologische Übersichtsskizze des Burgenlandeseologie ist die Wissenschaft vom Bau und der Geschichte der Erdkruste. – Im Folgenden und in der stark vereinfachten geologischen Übersichtsskizze ein sehr knapper Überblick, soweit er für die Botanik nötig ist.

  • Die ältesten Gesteine des Burgenlandes sind die Granitgneise und die Glimmerschiefer sowie die Sedimentgneise der Gebirge. Hauptsächlich solche metamorphen, silikatischen Kristallingesteine bauen die österreichischen Zentralalpen auf, deren Ausläufer eben bis ins Burgenland reichen: Sie bauen das Rosaliengebirge, das Landseer Gebirge und bilden den Kern des Leithagbebirges, des Ruster Hügellandes und des Ödenburger Gebirges. Auch im Bernsteiner und Günser Gebirge und auf dem Eisenberg herrschen Silikatgesteine vor, sie stammen zum Teil aus einer tieferliegenden tektonischen Einheit, die dort als tektonisches Fenster (ins Penninikum) zutage tritt. Für die Pflanzen ist die Tektonik allerdings irrelevant, denn für sie maßgeblich ist der Boden und das Gestein, aus dem der Boden entsteht. Diese Silikatgesteine stammen überwiegend aus dem Paläozoikum (= geologisches Erdaltertum) und sind somit mehr als 230 Mio. Jahre alt. Im Burgenland sind sie oberflächlich insgesamt eher selten anzutreffen, was daher kommt, dass sie im Lauf von Jahrmillionen von anderen Gesteinsschichten überlagert worden sind (hier ist vor allem der bekannte „Leithakalk“ zu nennen, der in der Zeit des Tertiärs, also vor rund 16 Mio. Jahren, entstanden ist).
  • Nur im Bereich des Bernsteiner und Günser Berglandes (des erwähnten tektonischen Fensters) treten Ophiolithe (Serpentinite) zutage; dazu gehört auch der „Edelserpentin“, der bei Bernstein abgebaut und als Halbedelstein zu Schmuckstücken verarbeitet wird. Bei diesen magmatischen Tiefengesteinen handelt es sich um magnesiumreiche Silikatgesteine, die für die Pflanzenwelt entscheidend wichtig sind, aber nicht mit dem Mineral namens Serpentin verwechselt werden dürfen.
  • Im mittleren Tertiär (vor ca. 16 Mio. Jahren) war fast das ganze Burgenland von einem Meer bedeckt. Als Folge tektonischer Absenkungen (Einbruch des Alpen-Karpaten-Bogens, dadurch Entstehung des Wiener Beckens) erreichte eine Bucht des damaligen Mittelmeeres unser Gebiet. 13 Mio. Jahre lang sammelten sich am Meeresboden Tone und Sande;  in küstennahen Bereichen, also an den heutigen Hängen des Leithagebirges und des Ruster Höhenzuges, wuchsen ausgedehnte Rotalgen- und Korallenriffe, die heute als „Leithakalk“ erhalten und seit Langem – hauptsächlich als Baustein – genutzt werden (z. B. Steinbruch von St. Margarethen). Auch die Basalte der Vulkane im Burgenland stammen aus dem Tertiär. Solche Vulkanite stammen aus zwei verschiedenen Perioden: Die basaltischen Gesteine im Mittel-Burgenland sind ca. 11 Mio. Jahre alt (Sarmat bis Unter-Pannon), jene im Süd-Burgenland sind noch jünger, nämlich nur knapp 4 Mio. Jahre alt (Pliozän). Der wichtigste burgenländischen Vulkan ist der Pauliberg (761 msm) im Landseer Gebirge, andere Vulkanitvorkommen liegen bei Stoob und Oberpullendorf. Die wichtigsten südburgenländischen Vulkane sind der Güssinger Burgberg und der Tobajer Kogel, weiters der Hofweinriegel bei Limbach im Burgenland (südwestlich von Kukmirn); ferner gibt es Vulkanitvorkommen bei Jennersdorf und vor allem bei Neuhaus am Klausenbach.
  • Die vier jüngsten Eiszeiten (Pleistozän) der letzten zwei Jahrmillionen (Günz, Mindel, Riss, Würm; es gab noch mindestens drei ältere) haben sich in unserem Gebiet zwar nicht so „weltbewegend“ ausgewirkt wie in den Alpen, dennoch drückten die starken Klimaschwankungen der Landschaft ihren Stempel auf. Die Flüsse brachten Ablagerungen von Ton (Teilchengröße kleiner als 0,002 mm), Lehm (Gemenge von Ton, Schluff und Sand), Schluff (0,002 bis 0,6 mm) und Sand (0,6 bis 2,0 mm). Besonders wichtig ist der Löss (feinste, staubförmige Teilchen, die der Wind verfrachtete). Gegen Ende dieses Zeitraums tritt auch der Mensch auf, der allerdings zunächst noch nicht landschaftsverändernd wirkt (Altsteinzeit = Paläolithicum). In der Periode der jüngsten Eiszeit (= Würm: vor 70 000 Jahren beginnend und vor etwa 10 000 Jahren endend) brachten Flüsse massenweise Schotter aus den Alpen. Gegen Ende dieser Kaltzeit entstand (vor rund 13 000 Jahren) infolge einer tektonischen Einsenkung der Neusiedler See.
  • Die geologische Jetztzeit (Holozän) begann vor rund 10 000 Jahren und dauert natürlich noch immer an. In diesem jüngsten Abschnitt der Erdgeschichte entstanden die heutigen Täler, viele Seen und Moore, reichlich Ablagerungen der Flüsse in den Talsohlen. Im Holozän findet auch die so genannte jungsteinzeitliche (neolithische) Revolution statt: Der Mensch wird sesshaft (er beginnt, nachhaltig in die Gestaltung der Landschaft einzugreifen). Auch die heute vorhandenen Böden entwickelten sich größtenteils erst ab dieser Zeit.

Eine ausgezeichnete Darstellung der Geologie des Burgenlandes bieten die Geologische Karte des Burgenlandes (Pascher 1999) und die dazugehörigen Erläuterungen (Schönlaub 2000). Kurze Notizen zum Thema finden sich bei Koó 1995, Haditsch 1996, Tschach 2010 und Mikuz 2012. Geologische Online-Karten werden von der Geologischen Bundesanstalt hier zur Verfügung gestellt.

 

Zitiervorschlag:
Fally J. & Fischer M. A., 2015: Geologie. – In: Fischer M. A. & al., Burgenlandflora – Die Pflanzenwelt des Burgenlands Online. – Eisenstadt: Naturschutzbund Burgenland. http://burgenlandflora.at/geologie/ (aufgerufen am XX.YY.ZZZZ)