Geographischer Überblick über das Burgenland

Von Josef Fally und Manfred A. Fischer

 

Politische Geschichte und Gliederung

 

Das Burgenland kam als jüngstes Bundesland 1921 zu Österreich. Ungarn ist im Vertrag von Trianon 1920 verpflichtet worden, das damalige „Deutsch-Westungarn“ an die neue Republik Österrreich abzutreten. Allerdings wurde nur ein westlicher Randstreifen dieses Gebiets tatsächlich an Österreich angegliedert. Vorher, bis zum Ersten Weltkrieg, also in der österreichisch-ungarischen Monarchie, war das heutige Burgenland keinerlei politische Einheit, sondern der westliche Rand des überwiegend deutsch besiedelten Westungarns; das heutige Burgenland gehörte also zur „ungarischen Hälfte“ („Transleithanien“) des Kaiserlich-königlichen Habsburgerreichs. Der Name „Burgenland“ erinnert daran, dass das Land aus Teilen von drei altungarischen Komitaten zusammengesetzt ist: Wieselburg / Moson (und Ungarisch Altenburg / Magyaróvár; heute beide vereint als Mosonmagyaróvár), Ödenburg / Sopron und Eisenburg / Vas (Vasvár). Ursprünglich (1919) wurden von Österreich auch Teile des Komitats (Pressburg / Pozsony / Prešporok / Bratislava) beansprucht, weshalb der ursprüngliche Namensvorschlag „Vierburgenland“ lautete. Staatskanzler Karl Renner schlug daraufhin „Dreiburgenland“ vor. Der ebenfalls vorgeschlagene Name „Heinzenland“ (nach der Bezeichnung „Hianzisch“ für die Mundart der deutschsprechenden Westungarn) setzte sich gleichfalls nicht durch. Seit dem 25. Jänner 1921 heißt das Burgenland so, wie es heute heißt. Der burgenlandkroatische Name lautet Gradišće (grad = Burg; wörtlich also etwa „Gegend der Burgen“, „Burgenland“), der ungarische Felsőőrvidék.

Erst im Dezember 1921, nach mannigfachem politischem Streit und auch kämpferischen Auseinandersetzungen sowie nach der umstrittenen Volksabstimmung in Ödenburg / Sopron (das als Hauptstadt vorgesehen war) und Umgebung im Dezember 1921, bei der mehr als zwei Drittel für Ungarn stimmten, kam das Land definitiv zur damals sehr jungen Republik Österreich. Auch die Städte Kőszeg / Güns und Szombathely / Steinamanger sowie Szentgotthárd / St. Gotthard blieben bei Ungarn.

Pressburg / Bratislava ist heute die Hauptstadt der Slowakei. Die übrigen „Burgen“ liegen alle im heutigen Ungarn, denn diese namengebenden Städte und ein großer Teil der ehemals gleichnamigen Komitate sind nicht burgenländisch geworden.

Hauptstadt war zunächst Bad Sauerbrunn, erst ab 1925 ist Eisenstadt / Kismarton die Landeshauptstadt. Von 1938 bis 1945, als Österreich Teil des nationalsozialistischen Deutschen Reichs war, existierte das Burgenland nicht, weil das Nord- und Mittel-Burgenland an den „Reichsgau Niederdonau“ (= Niederösterreich) und das Süd-Burgenland an den „Reichsgau Steiermark“ angegliedert worden waren.

Die 3 962 km2 Fläche des Burgenlandes sind nicht einmal 5 Prozent der Gesamtfläche Österreichs (83 879 km2); es ist das drittkleinste Bundesland Österreichs (nach Wien und Vorarlberg). Die Einwohnerzahl liegt bei rund 290 000 (Österreich: 8,5 Millionen).

Das Burgenland teilt 397 km österreichische Staatsgrenze mit der Slowakei, Ungarn und Slowenien. Es grenzt im Norden an die Slowakei (Umgebung von Pressburg), im Osten an Ungarn, und zwar an die Komitate Győr-Moson-Sopron und Vas, und im Süden an Slowenien, und zwar an die Gemeinden Kuzma und Rogašovci. Im Westen grenzt das Burgenland an zwei österreichische Bundesländer, und zwar im Norden an Niederösterreich (von der Gemeinde Kittsee bis zur Gemeinde Oberschützen) und im Süden an die Steiermark (Gemeinde Wiesfleck bis Gemeinde Neuhaus am Klausenbach).

Das Burgenland ist lang und schmal: Nord–Süd-Ausdehnung 143 km, Ost–West-Ausdehnung 58 km; die schmälste Stelle ist nur 4 km breit und liegt bei Sieggraben zwischen dem Ödenburger Gebirge im Osten und dem Rosaliengebirge im Westen, an der Grenze zwischen Nord- und Mittel-Burgenland. Der tiefste Punkt liegt bei Apetlon im Seewinkel (114 msm), der höchste Punkt ist der Gipfel des Günser Gebirges, die Spitze des Geschriebensteins / Írottkő genau auf der burgenländisch-ungarischen Grenze (884 msm).

Laut Volkszählung 2001 sprechen 91 % der Burgenländer Deutsch, 6 % Burgenlandkroatisch (ca. 17 000), 2 % Ungarisch (ca. 4700), 0,1 % Romanes. (Die tatsächliche Zahl der Angehörigen der burgenländischen Sprachminderheiten ist wohl wesentlich höher.) Das Burgenlandkroatische ist eine schriftsprachliche Varietät des Kroatischen. Die Burgenlandkroaten / Gradišćanski Hrvati siedelten sich seit dem 16. Jahrhundert, aus der unter den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Osmanischen und dem Habsburger-Reich leidenden Balkanhalbinsel kommend (flüchtend), im westlichen Teil des ungarischen Reichs an bzw. wurden von den dortigen Grundherren zur Besiedlung der damals (als Folge von Kriegen) entvölkerten Landstriche geholt. Die Burgenlandkroaten siedeln verstreut in allen Landesteilen und sprechen verschiedene Dialekte.

Politische_Gliederung_BezirkeDas Burgenland ist in 7 politische Bezirke (gleichlautend wie die Bezirkshauptstädte) gegliedert (vgl. Grafik) und umfasst 171 Gemeinden, davon 67 Marktgemeinden und 13 Städte.

Das Nord-Burgenland gliedert sich in die Bezirke

Neusiedl am See
(ND),
Eisenstadt-Umgebung (EU)
und
Mattersburg (MA).

Die Landeshauptstadt Eisenstadt (E) und die Stadt Rust (RU) sind Städte mit eigenem Statut.

Das Mittel-Burgenland umfasst nur den Bezirk

Oberpullendorf (OP).

Das Süd-Burgenland besteht aus den Bezirken

Oberwart (OW),
Güssing (GS)
und
Jennersdorf (JE).

 

 

Großlandschaften

 

Gewässer des BurgenlandesDas Burgenland liegt am Ostrand der Alpen, im Grenzbereich der alpischen Gebirgslandschaften im Westen und der pannonischen Kleinen Ungarischen Tiefebene im Osten. Die östlichsten Ausläufer der Alpen werden in Pannonien durchaus noch als „Gebirge“ begriffen (wiewohl Besucher aus den anderen österreichischen Bundesländern darüber nur schmunzeln können).

Großteils schließen nach Osten zu wellige Riedellandschaften an (sanfte Rücken wechseln mit eingeschnittenen Bachtälern), landschaftlich sehr reizvoll und nicht zu schwierig für radfahrende Touristen. Nach Osten zu nehmen die Ebenen überhand, vor allem im Nord-Burgenland. Im Süd-Burgenland beginnt die große Ebene des Ostens meist erst an der Staatsgrenze.

Das mit Abstand wichtigste Gewässer des Burgenlands ist selbstverständlich der Neusiedler See im Norden das Landes.

Die Leitha im Nordwesten und Norden ist großteils Grenzfluss zu den Nachbarländern. Die Wulka, im Rosaliengebirge entspringend, ist der einzige Zubringerfluss des Neusiedler Sees.

Das Mittel-Burgenland wird von Nordwesten nach Südosten vom Stoober Bach, von der Rabnitz und von der Güns (die gerechterweise Zöbernbach heißen müsste) durchquert.

Durch das Süd-Burgenland fließen, in derselben Richtung, die Pinka, die Strem, die Lafnitz (die gerechterweise Feistritz heißen müsste) und schließlich, ganz im Süden, die Raab / Rába, in die schließlich alle münden und die ihrerseits bei der gleichnamigen Stadt Győr / Raab in die Donau fließt. Diese Flüsse kommen alle aus den Alpen und durchströmen in ihrem Unterlauf die Kleine Ungarische Tiefebene.

 

Wichtig für die physische Landesgliederung sind die Gebirge, die als niedrige äußerste Ausläufer der Alpen das Burgenland von Westen her erreichen: Im Norden als „Inselberg“ das Leithagebirge (höchste Punkte: der Sonnenberg mit 484 msm im Westen und der Zeilerberg mit nur noch 302 msm am Ostrand).

Landschaften_BurgenlandFast quer dazu, von Norden nach Süden verlaufend das Rosaliengebirge (748 msm), das bei Sieggraben nach Osten umbiegt (die Passhöhe beträgt 497 msm) und dabei zum Ödenburger Gebirge wird – dessen höchste Punkte der Brenntenriegel (606 msm) und der Herrentisch / Urak asztala (551 msm) sind, dieser genau auf der ungarischen Grenze liegend.

Den Westrand des Mittel-Burgenlandes bildet das Landseer Gebirge mit dem Pauliberg als höchstem Punkt (761 msm); das westlich anschließende Oberpullendorfer Becken geht nach Osten zu allmählich in die Kleine Ungarische Tiefebene über.

Im Grenzbereich zum Süd-Burgenland liegt das Bernsteiner Gebirge (eigentlich das südliche Ende der Buckligen Welt) mit dem Steinstückl als höchstem Punkt (833 msm), und das Günser Gebirge mit einigen wenigen Gipfeln über 800 msm (Großer Hirschenstein 862 msm), das im Gipfel des Geschriebensteins / Írottkő (884 msm) kulminiert.

Mit dem Ödenburger Gebirge und dem Ostzipfel des Günser Gebirges hat übrigens Ungarn Anteil an den Alpen – wenn auch nur in gleichsam homöopathischer Dosis.

Abgesehen von diesem seinem Nordwest- und Nordrand, ist das Süd-Burgenland ein Hügelland, genauer: Riedelland, das keinen Anteil mehr an den Alpen hat. In geologischer Hinsicht allerdings machen sich die Alpen mit dem Eisenberg (415 msm) hart an der Ostgrenze zum allerletzten Mal bemerkbar (siehe auch die Skizze im Kapitel Geologie). Die langgezogenen Hügelketten zwischen den aus Nordwest nach Südost gegen die ungarische Ebene zu strömenden Bächen und Flüsschen, nämlich (nördlichem) Zickenbach, Tauchenbach, Pinka, Strem, Lafnitz – die schließlich (in Ungarn) alle in die Raab / Rába münden – machen zusammen das Südburgenländische Hügelland aus.

Im schmalen Südzipfel des Burgenlandes liegt zwischen Lafnitz und Raab das Jennersdorfer Hügelland (Gipfelhöhen 286–368 msm), das die Burgenländer insgeheim auch „Tafelberg“ nennen (nach dem 363 msm hohen Hügel am Westrand von Jennersdorf). Südlich der Raab erstreckt sich, nur wenig größer, das Neuhauser Hügelland (Gipfelhöhen 326–408 msm), dessen Bäche im Nordteil zur Raab führen, im Südteil jedoch über den Klausenbach und den Limbach / Lendva (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen linken Seitenbach der Lafnitz und dem ebenfalls gleichnamigen linken Nebenbach der Strem!) in die Mur entwässern.

Selbstverständlich zeichnet die Pflanzenwelt diese geografische Situation im Übergang von den Alpen in die pannonische Ebene nach, wofür in erster Linie das Klima verantwortlich ist. Die Flora zeigt nämlich überraschend deutlich den Gegensatz zwischen den mitteleuropäisch-alpisch geprägten Landschaften im Westen und denen der pannonischen Ebenen im Osten (siehe die Karten der Verbreitungsmuster) nach.

Das Nord-Burgenland (mit Ausnahme des Rosaliengebirges = Landschaft 9 und der höchsten Lagen des Leithagebirges) ist eindeutig pannonisch, gehört zur Pannonischen Florenprovinz = Pannonikum (siehe Rasterverbreitungskarten 5 bis 15). Ebenso gehört das östliche Mittel-Burgenland (Landschaft 13) zum Pannonikum. Das Süd-Burgenland hingegen ist insgesamt nicht pannonisch, zwar sommerwarm, aber nicht so sommertrocken wie das für das Pannonikum charakteristisch ist. Nur der Südostfuß des Günser Gebirges, die Umgebung von Rechnitz (Landschaft 16) zeigt noch deutlich etwas pannonischen Charakter. Schwache Spuren pannonischer Flora zeigt der Südhang des Eisenbergs (Landschaft 18). Einige pannonisch zentrierte Arten reichen über das Pannonikum (Landschaften 1–8, 10, 13) hinaus weiter nach Süden: Verbreitungskarten 16 bis 22.

Dem Süd-Burgenland (mit Ausnahme der Berggebiete = der Gebirge 14 und 15) wird oft „illyrischer“ Charakter zugesprochen; besser ist die Charakterisierung als „pränorisch“ (Guglia 1962). Selbst die Bezeichnung „subillyrisch“ trifft generell nicht zu, mit Ausnahme des südliches Zipfels (Landschaften 24 und 25), wo es tatsächliche einige südliche Arten gibt. Siehe dazu die Gruppe der südlichen Verbreitungsmuster (Verbreitungskarten 23 bis 28).

 

Zitiervorschlag:
Fally J. & Fischer M. A., 2015: Geographischer Überblick über das Burgenland. – In: Fischer M. A. & al., Burgenlandflora – Die Pflanzenwelt des Burgenlands Online. – Eisenstadt: Naturschutzbund Burgenland. http://burgenlandflora.at/geographischer_ueberblick/ (aufgerufen am XX.YY.ZZZZ)